Die Leiden des jungen Jakub II

Die Leiden des jungen Jakub II

Physik war vorbei. Endgültig. Und überhaupt: Alles war vorbei, keine sinnfreien Fächer mehr, bei denen maximaler Aufwand zu minimalem Erfolg führte. Referate, zusätzliche Aufgaben, alles hatte Jakub gemacht, um notentechnisch glänzen zu können, geholfen hat davon exakt nichts. Nach der Einreichung von zusätzlich gestellten Aufgaben hatte Jakub fächerübergreifend die Hälfte dieser nicht zurückerhalten. Dies hätte für ihn persönlich allerdings keine Rolle gespielt, die Materialien wären sowieso als Anzünder beim nächsten großen Familien-Grillen geendet. Ach ja, seine Familie aß doch kein Fleisch. Ob man Sauerkraut wohl grillen könnte, fragte sich Jakub. Er stellte es sich ziemlich ekelerregend vor, zumal der Weißkohl am Rost kleben bleiben würde. Dann würde er den Berg von Papier wohl eben an seine ehemaligen Mitschüler veräußern müssen, die würden ihn wohl auch ohne Grillfest in die Luft jagen wollen. Grillen konnte man Jakub zurzeit auch. Die Bushaltestelle seiner Schule befand sich in einer besonders depressiven Lage, eingeengt zwischen bröckelnden, unbewohnten Mehrfamilienhäusern und dubiosen Trinkhallen, wo bestimmt nicht nur Süßigkeiten und Zeitschriften verkauft wurden. Bäume gab es in dieser Straße nicht. Zum einen würden sie die Luftqualität in dieser Gegend erheblich verbessern, zum anderen, und das war Jakubs aktuelles Problem, würden sie an solch heißen Sommertagen ausreichend Schatten spenden. Stattdessen kochte dieser Straßenkessel aus 110 % Beton regelmäßig über, quälte Schüler, die auf verspätete Busse warteten, und hinterließ meterlange Risse in der Straße, dessen Reparatur die Stadt schon über Jahre hinweg verschleppte. Natürlich würden sie erst dann eine Baustelle errichten, wenn alle anderen Baustellen der Stadt ebenfalls beginnen und so das ultimative Verkehrschaos vorprogrammiert wird. Happy days.

Jakub jedenfalls durfte noch ein paar Minuten vor sich hin kochen und sich einen Sonnenbrand im Endstadium abholen, bevor er in den klimatisierten Bus stieg. Auch wenn es kurzfristig angenehmer wurde als draußen, Jakub hasste Klimaanlagen. Ein zuverlässiger Erkältungsgarant, der dafür sorgte, dass sich seine Mitschüler mit dem schlimmsten Kratzhusten von ihm in den Sommer verabschiedeten. Oder waren sie doch alle Raucher? Jakub hoffte es inständig. Nun gut, sei’s drum. Er hatte einen Sitzplatz und noch 30 Minuten Fahrt, die er zum schlafen oder lesen nutzen konnte. Doch zu interessiert war er daran, was seine Mitmenschen um ihn herum taten oder sagten. Die meisten redeten über ihren Sommerplan, ihren krass trainierten Strandkörper oder dergleichen. Cocktails mit Eiswürfeln an der Strandbar auf Mallorca oder so. Für diese Leute war der Urlaub in dem deutschen Überseegebiet auf spanischem Territorium reine Routine. Herbst, Winter, Frühling, Sommer, immer wieder ging es dorthin. Und wenn man diese Menschen fragte, ob sie denn künftig dort ein weiteres Mal ihre freie Zeit verbringen würden, lautete die unterkühlte Antwort jeweils gleich: „Ja, wie immer ne? Bisschen Sonne, bisschen trinken, wohlverdienten Urlaub halt ne!?!“ . Warum diese Leute ihren Urlaub als verdient empfanden war Jakub allerdings schleierhaft. Ein großer Teil von ihnen hat nichts Nennenswertes geleistet, und außerdem hatte Mallorca doch auch schöne Ecken, an denen man sich nicht nur gehen lassen, sondern, umgeben von einer schönen Inselatmosphäre, auch ohne großes Partygemetzel entspannen konnte. Das dachte Jakub jedenfalls, er kannte die Gegend nicht. Ohnehin war ihm Nordseeurlaub deutlich lieber. Frische Luft, viel Fisch, keine Partytouristen. Und wenige Getränke, zu denen Eiswürfel passten. Dieses gefrorene Wasser in Gläsern war doch echt das Letzte: Unhygienisch, viel zu kalt, mehr Eis als Getränk, wo war der Sinn der dahinter? „Komm Jakub, nimm doch auch welche, ohne schmeckt es doch gar nicht!“ wurde ihm oft gesagt, obwohl er schon mehr als oft genug in seinem Leben darauf aufmerksam gemacht hat, dass er alles ungekühlt trinkt. ‚ICH entscheide das! Nicht IHR! SO EIN DRECK!‘ dachte sich Jakub, dem die vorherige Hitze in Kombination mit seinen aktuellen Gedanken nicht wirklich gut zu Gesicht stand. Anscheinend hatte er etwas zu laut gedacht, denn die Hälfte des Busses war kurz still geworden und beäugte Jakub verwundert. Er sah in diesen starrenden Leuten ausschließlich leere und stumpfe Blicke, was seine Aggressionen nicht schmälerte, doch Jakub verstand es wie kein anderer sich zu beherrschen, wenn das öffentliche Leben ihm zusah. Er beruhigte sich, der Rest des Busses redete weiter und Jakub versuchte ein wenig zu lesen. Doch entspannt konnte er das nicht tun, ständig sprang er ein paar Zeilen zurück mit dem Gefühl, einen wichtigen Aspekt überlesen zu haben und wurde wieder nervös. Dabei war es doch nur ein Roman und die Leseumgebung machte ihm auch nicht viel aus. So langsam kam ihm der Gedanke, dass das analytische und spaßbefreite Lesen aus der Schule seine unbefangene Lesefähigkeit beschädigt haben könnte. Warum sonst sollte aus dem „1000 Seiten-pro-Tag-Jakub“ eine Leseschnecke geworden sein? Also beobachtete er aus Frust darüber weiter andere Leute.

‚Nein, es ist nicht wahnsinnig, sich für andere Menschen zu interessieren. Andererseits müsste ich wahrscheinlich an meiner Vitalität zweifeln‘, dachte er sich. Schließlich war es spannend zu beobachten, was Menschen, ohne einen Ton zu sagen, denken könnten. Gerade auf dem Heimweg hatte sich Jakub damit oft die Zeit vertrieben, gerade bei Mitschülern, die er persönlich nicht kannte. In der Schule stand er quasi unter Entzug, diese Verhaltensweise hatte er sich im Unterricht nach und nach abgewöhnen müssen. Im noch jüngeren Alter war Unterricht teilweise semirelevant geworden, als von einem Jahr auf das andere Jakub in neue Kurse kam und die ungleiche Geschlechterverteilung seiner vorherigen Kurse eine Drehung um 180° Grad machte. Während er bisher nur Mitschüler kannte, wusste er auf einmal, was diese Mitschülerinnen waren. Mädchen hatte er seit der Grundschule nicht mehr im selben Klassenraum gesehen, umso größer war für Jakub das Ablenkungspotenzial im Unterricht. Aktuell konnte er sich höchstens vage erinnern, was er damals in Deutsch gelernt hat. Schärfer war seine Erinnerung jedoch daran, dass bei der persönlichen Notenbesprechung zum Halbjahr seine Deutschlehrerin ihm ein außerordentliches Potenzial bescheinigte, das sich jedoch nur teils in der Gesamtnote niederschlug, da er sich während der Arbeitszeiten zu ausgiebig über die Tätigkeiten seiner Mitschülerinnen amüsierte. Danach war Jakub im Unterricht wesentlich fokussierter.

Er war fast zuhause. Weiter konnte er mithören, wie Leute von Reisen in 826473 verschiedene Länder schwärmten, um ihren ‚Horizont zu erweitern‘. „Also ich bin ja sooooooo offen anderen Menschen gegenüber und ich treffe ja sooooo gerne neue Leute. So many new crazy people OMG!!!!“, sagte ein Mädchen vorne im Bus. Dass diese Leute, die vorgeben besonders kultiviert und klug zu sein, ihren Trip nur dazu nutzen, um zu trinken und viel Geld zu verbrennen, war Jakub halbwegs klar. Ein ausgesuchtes Land, viel Zeit nehmen für dortige Tätigkeiten und Vorbereitungen, echte Neugierde, von solchen Menschen war Jakub beeindruckt und schätzte sie für ihr Engagement. Die anderen Vielreiser würden von ihrer ‚Bildungsreise‘ spätestens zu Karneval wieder zuhause sein, um sich dort einen hinter die Birne kippen zu können. Dann würde der Horizont nicht nur erweitert, sondern auch blau sein.

Jakub war ausgestiegen und musste noch ein wenig laufen. Hier war es bereits angenehmer. Mehr Schatten, mehr Grün, frischere Luft. Im Augenwinkel sah er kleine Kinder heranschleichen, gleich würden sie ihn wohl erschrecken wollen. Er erahnte richtig, die Kinder sprangen hervor und richteten abgerissene Äste wie Degen auf ihn. Jakub fand das sympathisch, immerhin spielten sie draußen. Belustigt und zwinkernd sagte er zu ihnen: „Hab euch gesehen, viel Spaß euch noch.“. Für ihn unerwartet schmiß ein Junge aus der Gruppe Kinder einen Ast nach ihm und schrie: „SCHÖN FÜR DICH!!!“. Jakub war schockiert, wie aufmüpfig die Kinder plötzlich wurden und mahnte sie weniger frech zu sein, wofür er sich vom selbigen Alphatier-Jungen, angestachelt vom Rest, ein „SAGT DER RICHTIGE!!!“ fing. Nun war Jakub endgültig sauer über den mangelnden Respekt von Seiten des jungen Gemüses. Waren er und seine Mitschüler in diesem Alter so dermaßen frech zu Älteren? Ganz bestimmt nicht. „SO EIN DRECK!!!“ brüllte er, kramte seinen Haustürschlüssel aus der Tasche und ging weiter nach Hause. Auch diesmal erntete er Blicke für den Ausruf, doch diesmal eher erschrockene. Zudem hörte er ein kollektives kurzes Rascheln hinter sich. Die Kinder hatten ihre in der Sonne getrockneten Äste fallengelassen.

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Vote! #BTW2017

Vote! #BTW2017

Hurra, am Sonntag ist es wieder soweit: Die Deutschen werden zur Wahl des 19. Bundestages aufgefordert! Gewählt werden dann die Abgeordneten und Parteien, denen wir am ehesten zutrauen, dass sie unsere Interessen und Belange mit Wort und Tat würdig die nächsten vier Jahre vertreten werden.

„Die Arbeit im Parlament ist doch aber nur Gerede.“- „Die setzen doch ohnehin nichts durch.“ – „Die wissen doch nicht, wie es mir geht und was ich mache.“ – „Wieso sollte sich jetzt etwas ändern?“

Politik ist, entgegen aller Klischees und Anwürfe, mehr als Reden, Versprechen und mit dem warnenden erhobenen Zeigefinger wedeln. Sie hält den Diskurs in unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft aufrecht und sorgt dafür, dass verschiedenste Themen in geregelten Bahnen besprochen und bearbeitet werden können. Von allen möglichen Seiten und von allen möglichen Menschen. Im Endeffekt werden im Bundestag Entscheidungen getroffen, die nicht jedem schmecken, und dann heißt es: „Habe ich doch gesagt, dass dabei nichts vernünftiges herausspringt. Diese Regierung ist unfähig und die Opposition hat wieder einmal geschlafen. Und dann soll ich mich noch bewegen und wählen gehen?“.

Ja, sollst du. Denn die Parlamentarier und ihre Teams sorgen in langen Redevorbereitungen, Besprechungen, Aufsätzen und öffentlichen Kundgebungen dafür, dass du dich gemütlich über ihre Arbeit aufregen kannst. Sie sind an der Willensbildung der Bevölkerung beteiligt und versuchen eben diesen Willen zu artikulieren. Natürlich wissen sie nicht exakt, ob du deine Pommes rot-weiß isst oder gar keine Pommes magst und du deswegen am liebsten die lästigen Buden mit den Friteusen verbieten lassen würdest. Sie schätzen dafür die allgemeine Stimmung und Verfassung ihrer Wahlkreise so detailgetreu wie möglich ein, bieten Lösungen an und kämpfen dafür, sie durchsetzen zu können. Wie sie dies schlussendlich praktisch umsetzen steht in einem anderen Buch geschrieben.

Der Meinungspluralimus ist der Grundstein dafür, dass unsere Demokratie gut getaktet durch die Gewaltenteilung funktioniert. Jeder kann sachlich seine Auffassungen teilen und sein eigenes Leben führen, ohne dafür belangt zu werden. Unzufriedenheit und Ignoranz, resultierend aus vermeintlichen Fehlentwicklungen in der Gesellschaft, sind diesbezüglich jedoch keine legitimen Gründe, um die Wahlberechtigung verfallen zu lassen oder Parteien zu wählen, die einfachste Lösungen anbieten und im Wahlkampf teilweise ganz tief in die Mottenkiste der Geschichte greifen, um auf Teufel komm raus möglichst viele Stimmen abzufangen. Eben solche Parteien werden durch ein naives Wahlverhalten gestärkt und agieren demokratieunverträglich. Dann hast du dir nicht nur selbst geschadet, sondern auch einem Großteil der Bevölkerung und du kannst nur noch darum betteln, deine meinungsstarke Stimme offiziell abgeben zu können.

Es ist ein Problem bei vielen jungen Menschen (gemeint sind auch die diesjährigen potenziellen Erstwähler), dass Politik nicht mehr als ein Element betrachtet wird, welches unmittelbar ihren Alltag beeinflusst. Die offenen Grenzen in Europa sehen viele nicht als Verdienst der Politik an, sondern als eine stets da gewesene Selbstverständlichkeit. „Und überhaupt, ich habe meine Freunde, ein Handy und meinen Führerschein, ich bin total happy. Meine Probleme? Löse ich schon irgendwie selbst.“. Natürlich ist ein gewisses gesellschaftliches Eigenengagement gefragt, jedoch ist diese Unbedarftheit von einigen jungen Leuten nicht ausschließlich darauf zurückzuführen, dass sie verträumt und egoistisch sind (das sind im übrigen beliebte vorurteilsbehaftete Adjektive für die sog. „Generation Y“) und nur sich und ihre „Selbstverwirklichung“ im Sinn haben. Auch Familienmitglieder und Bildung haben die Verantwortung, ihre Sprösslinge in politische und gesellschaftliche Diskussionen zu involvieren. Und damit meine ich ausdrücklich nicht politische Streitereien bei Familientreffen, die mit zerfetzten Trommelfellen und vielen unglücklichen Menschen enden. Aber im Ernst: Wie sollen beispielsweise Schüler mitreden können, wenn man die Positionen verschiedener Parteien oder grundlegende politische Begriffe niemals erklärt bekommen hat? Zumindest Interesse im Zusammenhang mit historischer Aufklärung sollte in der Schule geweckt werden, die Meinungsbildung jedoch den Schülern selbst überlassen werden…

Ein anderes Makel ist die etwas befremdliche Setzung der Prioritäten in Deutschland, wenn es darum geht, politische Prozesse im Ausland zu bewerten. Selbstverständlich ist Kritik an Figuren wie Trump, Le Pen, Wilders etc. wichtig und richtig, doch wie oft hat man sich öffentlich darüber ergötzt, dass die Anderen die Doofen seien und man selbst damit nichts (mehr) zu tun hat? In diesem Windschatten konnten sich hiesige Parteien wie etwa (Achtung, Harry-Potter-Stil!) „Die-Partei-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf“ ausruhen, um unbehelligt ihre Basis für die Bundestagswahl 2017 aufzubauen. Sich gegenüber anderen als moralischer Lehrmeister der Demokratie aufzuspielen sollte in Deutschland normalerweise nicht unbedingt ein weitverbreitetes Konzept sein…lieber an die eigene Nase fassen.

Mal abgesehen davon, dass der Wahlkampf dieses Jahr seine Spannung irgendwo sicher versteckt hat und auch im Ausland deshalb kaum wahrgenommen wurde: Wählen ist und bleibt eine der obersten Prioritäten eines jeden Bürgers.

Also: Informieren, recherchieren, Reden anschauen, Wahlprogramme auf den Straßen sammeln und lesen, sich mit Menschen austauschen, Möglichkeiten nutzen und am Sonntag zur Wahl gehen! Tut euch selbst und den anderen etwas Gutes, ist nicht so schwierig 😉

Over and Out

Over and Out

Um 3 Uhr morgens am 15. Juli 2017 war auch für mich Schluss. Die Aftershowparty des Abiballs steuerte auf ihr wohlverdientes Ende zu. Vor etwa einer halben Stunde bekam der DJ allmählich eine, für mich nicht vollends nachvollziehbare, Eingebung, die ihm diktierte, Bierzelt-Ballermann-Tralala Musik zu spielen. Der Kollege links neben mir am Tisch signalisierte mir durch demonstratives Tippen auf seine imaginäre Uhr, dass „das Gute“ schon ausgemerzt sei und man den Ort eher verlassen sollte, bevor die Mallorca-Hits einem die euphorische Laune austreiben. Die verbliebene halbe Stunde suchte ich noch nach Mitschülern, um sie zu drücken, abzuklatschen bzw. gebührend zu verabschieden. Musste ja nach 8 Jahren gemeinsamer Schulzeit und Abitur mal sein.

Wir waren eine, wie sagt man doch gleich…interessante Stufe. Dieses Adjektiv ist deswegen so passend, da die Mischung nicht jedem Unbeteiligten gut bekam. Die einen fanden uns tatsächlich interessant oder attraktiv und lernten uns lieben. Die anderen verlachten uns und erklärten uns für unfähig. Um jedoch nicht kränkend zu klingen sagte man nicht „schreckliche“ oder „katastrophale“ Stufe, sondern verwendete das zynische „interessant“.

Gut. Organisationstalente und Fleißbienchen waren wir nie. Die Abschlussfahrt im Oktober 2016 wäre beinahe geplatzt, da nicht genügend Schüler ihre Anmeldezettel abgaben und das Datum für die Verleihung der Abiturzeugnisse hatten manche Experten zwei Tage vor dem besagten Termin nach wie vor nicht parat. Auch wurden Lerneinheiten für Klausuren erst am Tag vorher begonnen oder Facharbeiten (mit freundlicher Unterstützung von Energydrinks) in der Nacht vor der Abgabefrist schnell zusammengebastelt. Immer wieder schlugen Lehrer, unabhängig ob länger im Dienst oder erst frisch ins Haibecken „Schule“ gesprungen, die Arme über den Köpfen zusammen. Eine solche Stufe hätten sie niemals erlebt, Defizite hier und da, asozial blablabla. Alles Geschichten und Dystopien! Natürlich waren wir nicht der beste Jahrgang aller Zeiten, doch bei weitem nicht der schlimmste. Viele Lehrer erkannten das und behandelten uns dementsprechend respektvoll und entspannt, was uns stellenweise angenehmes Balsam auf die geschundenen Schülerseelen war (eine Verbeugung und einen Applaus an eben diese Lehrer!).

Schließlich hatten wir eine ganz ordentliche Abiturientenquote! Das zählt am Ende und zeigt, dass wir doch nicht ganz anspruchslos unser Schülerdasein verbracht haben!

Und überhaupt, wir waren eine herrlich bunte Truppe, ein Paradebeispiel für gelungenes Zusammenarbeiten und gemeinsamen Umgang der unterschiedlichsten Kulturen und Nationalitäten. Ganz ohne Konflikte kamen wir natürlich nicht aus, doch Herkünfte oder soziale Hintergründe boten, außer bei internen Witzeleien, eher kein Konfliktmaterial. Wo wir herkommen, wer uns großgezogen hat oder wie wir leben. In der Schule haben wir uns darum niemals gekümmert. Weshalb sollten wir es auch an die große Glocke hängen? Für uns war diese Konstellation an Schülern Normalität, homogene Gruppen waren uns dagegen fremd. Wir fühlten uns im Kollektiv immer ziemlich cool und verstanden uns quer durch den gesamten Jahrgang prächtig. Im Endeffekt war kaum zu identifizieren, wer ursprünglich zusammen in eine Klasse ging, wer als Seiteneinsteiger zu uns kam oder mal sitzen geblieben ist. Wie auch, wenn man in den 5-minütigen Pausen die parallel laufenden Leistungskurse besucht, um sich ein Bild von anderen Zusammensetzungen zu machen und die Lehrer irgendwann denken, dass die Pausenbesucher zum eigenen Kurs gehören. „Ich mag es ja, dass ihr euch alle so lieb habt“ sagte dazu mal unsere Mathematik-LK Lehrerin, nachdem ihre Schüler Liebkosungen mit dem parallelen Deutsch-LK austauschten, dessen Schüler gut und gerne in den Pausen unsere Tafelbilder begutachteten. Dem ganzen wurde die Krone aufgesetzt, als ein Gast aus dem Deutschkurs unserer Lehrerin anbot, ihr etwas vom Bäcker zu holen. Ja, auch die Lehrkräfte gehörten zu unserer Jahrgangskonstellation und waren Empfänger unserer sympathischen Art.

Egal, wo wir uns zusammen aufhielten, stets fielen wir irgendwie auf (natürlich NIEMALS negativ *zwinker*). Aktuelles Beispiel: Bei unserer Abschlussfahrt nach Berlin erhielt ein Teil der Stufe Karten für „THE ONE GRAND SHOW“ im Friedrichstadt-Palast, eines der führenden Revuetheater in Europa. Die Gäste waren ein Mix aus gewöhnlichen Besuchern und Schülern, die nicht zu unserer Schule gehörten. Und eben wir. Alle, sogar die anderen Schüler, waren schick eingekleidet, elegante Abendgarderobe war angesagt. Nur bei den meisten von uns nicht. Jeans, T-Shirts, Strickjacken, Turnschuhe. Eine Mitschülerin hinter mir piepste schon nervös, weshalb nur wir nicht Kleider oder Sakkos tragen würden. Wie Recht sie hatte, überraschend kam es jedoch nicht. Nicht alle fühlten sich wohl, vielen schien die Umgebung sehr teuer zu sein, sodass mein Sitznachbar in einem Anfall von Realitätsverlust anfing nobel mit der Hand zu wedeln und nach Champagner zu verlangen. Er lachte lange über seinen kleinen Spaß (ich auch), denn er dachte, dass er damit die vermeintliche Welt der „Reichen und Schönen“ necken würde. Wie gesagt, wir fielen eben auf. Bei unserer Fahrt nach England in der 9. Klasse liefen einige von uns in den Gassen rund um die Kathedrale der Universitätsstadt Canterbury herum und suchten Beschäftigungen. Während ein Kumpel und ich in einem Imbiss saßen und „Chicken Nuggets and Chips“ aßen (weil wir zu geizig für „Fish and Chips“ waren), entdeckten einige unserer Fachmänner, dass es billige kleine Wasserpfeifen für Jugendliche zu kaufen gab. Später konnte man an diesem Vormittag unsere kleinen Gangster anhand der Rauchschwaden in den Straßen Canterburys ausfindig machen. Oder der Tagesausflug in der 8. Klasse nach Köln, als es im hiesigen Schokoladenmuseum richtig laut wurde, da eine Gruppe Jungs ein in die Ausstellung integriertes Spiel fand, welches nur mit mehreren Leuten gespielt werden konnte. Wir stampften und brüllten solange, bis wir den Rekord dieses Spiels brachen! 5 STERNE TEAMWORK!

Wir konnten noch so auffällig sein, brav waren wir allemal. Schwierig zu begreifen, ist jedoch die Wahrheit. In England haben wir niemanden verloren, Berlin war nach unserer Fahrt nicht in sich zusammengefallen, die sogenannte Mottowoche forderte keine Personen- und Sachschäden und „weggemobbt“ wurde übrigens auch niemand.

All diese Bilder zogen am Abend des 14. Juli und am Morgen des nächsten Tages an uns vorüber. Bilder von diesen Erlebnissen und Schulstunden. Bilder der Menschen, die man schon immer mochte oder erst später (vielleicht sogar zu spät) zu schätzen gelernt hatte. Bilder der Eltern, die uns Opfer brachten, die dergleichen suchen. Bilder der Lehrer, die uns leiden ließen oder mit uns litten. Wie oft wir die Schule verflucht haben, genauso oft werden wir alle (oder zumindest die meisten) ihr nachtrauern. Die Zeit, die wir gemeinsam erleben durften, war, allen Zweifeln zum Trotz, ein einzigartiges Privileg.

Ein allerletztes Mal standen wir beim Einlauf der Abiturienten beim Abiball zusammen im Rampenlicht. Dazu lief das Lied „Heroes“ von Måns Zelmerlöw, der lautstark vor dem Refrain verkündete: „We’re the heroes of our time!“. Wie passend.

Der Rest war Ekstase auf der Aftershowparty und ein kleines Stück Geschichte, das wir den Geschichtsbüchern diktiert haben. Danke an alle!

Die Leiden des jungen Jakub

Die Leiden des jungen Jakub

Am Abend zuvor war Jakub das Einschlafen noch unmöglich vorgekommen, viel zu warm war es in seinem Zimmer gewesen. Die Bettdecke nach links gewendet, dann rechts, dann Ende und Anfang vertauscht, sogar den Bettbezug wechselte er. Ob er überhaupt noch geschlafen hatte, das wusste Jakub nicht mehr, jedoch konnte er sagen, dass er mindestens 4 Stunden regungslos dagelegen hatte. Als er es nach 15 Minuten endlich schaffte sich aus seinem Bett zu schrauben, fiel ihm noch etwas anderes auf: Es war bitterkalt um ihn herum. Dabei hatte er sich doch vorher noch einen Wolf geheizt, sodass es ihm den nötigen Schlaf raubte. Und jetzt das hier. Gerade jetzt. Vor der Schule. Lieber hätte sich Jakub an den Heizkörper gekettet, ihn umarmt und nicht wieder losgelassen. „Energieverschwendung“ hallte es ihm geisterartig durch seinen Kopf, die ihn umgebenen Erwachsenen hatten es ihm bis zum Erbrechen eingebläut. Eltern, Tante, Onkel, Großeltern, sogar ferne Cousins. Von letzteren wusste er nicht viel, doch sie schienen nicht wirklich einen eigenen Willen zu haben und studierten Physik oder so. Auch sie wurden anscheinend durch den Öko-Terror, der den Familienstammbaum zu markieren schien, indoktriniert. So nannte es jedenfalls Jakub, behielt so etwas jedoch besser für sich. Nicht noch einmal wollte er einen Streit beginnen. Dabei war er doch selbst umweltbewusst und die schmerzhafteste Moralpeitsche seiner Gegend, gleichzeitig war er aber auch die einzige Person, die mit Selbstironie diesen Eindruck zu schmälern wusste. Schließlich bestand die Welt nicht nur aus Öko-Freaks und Weltverbesserern. Zumindest seine Stadt nicht. „Dreh den Hahn zu! Du tötest die süßen Eisbären!“ oder ähnliche mit einem Lächeln verzierten Sprüche zeigten jedenfalls immer ihre Wirkung. Von traurigen bis erheiterten Gesichtern war alles dabei.

Sparsam wie sein Schlaf war auch Jakubs Frühstück. Zwei kleine dreieckige Scheiben Schwarzbrot und papierdünner Käse dazwischen, das reichte ihm völlig, dazu viel zu starker schwarzer Tee, der eher müde als munter machte. Danach schnell noch den Pullover und die Jeans an und zum Bus. Auf halbem Weg zur Haltestelle fiel ihm noch ein, dass er seine Thermoskanne stehen gelassen hatte, doch nach Hause zurückzukehren erschien ihm sinnlos, schließlich brauchte er die noch lange Zeitspanne vor der Schule, um nachzudenken. Außerdem war es sowieso nur Rooibostee. Was ihn dazu trieb ausgerechnet diesen grässlichen Tee zu kaufen, wusste er selbst nicht so genau. Rooibos. Südafrikanische Hülsenfrucht. Klang interessant, schmeckte zu Jakubs Verärgerung leider nicht.

Es war kalt draußen. Nicht drückend kalt, eher erfrischend kalt. Trotz der Temperaturen schien den Menschen an der Busstation, hauptsächlich Schüler, ihr Image wichtiger zu sein als ihr körperliches Wohlbefinden. Chucks ohne Socken und zerrissene Jeans. Jakub war zwar ein großer Fan von Individualität, doch selbst für ihn waren diese Arten von Grenzüberschreitung zu heftig. Obwohl er halbwegs warm angezogen war, zog er seinen Schal noch höher, sodass er Hals bis Mund komplett verdeckte.

Die Leute im Bus waren nicht besser, jedoch sorgten sie dafür, dass Jakub sein Selbstwertgefühl aufpolieren konnte: Eine ältere Frau schrie wahllos Schüler an, ein Mann in Jogginghose hielt seinen Dackel frontal in das Gesicht eines kleinen Kindes, ein kleiner Junge (dessen Handydisplay größer war als der Kopf des Besitzers) rutschte in jeder Kurve aus, weil er zu stark in sein Handyspiel vertieft war und ein weiterer Mann leckte an den Haltestangen im Bus, was in etwa genauso gesund ist wie verflüssigtes Ammoniak zu trinken. „Ein wenig wie im Internet“, dachte sich Jakub. Nicht nur junge Menschen benehmen sich dort daneben und erlauben sich die ein oder andere Peinlichkeit, sondern auch (scheinbar) gestandene Erwachsene. Familienväter, Studierte, Ärzte etc. verbreiten billige, abgedroschene Sprüche und Bilder, die mit „TEILE DIESES BILD WENN DU DAS AUCH SO SIEHST“ enden. Zudem werden zum Zwecke der Informationsverbreitung unseriöse Quellen geteilt und mit Phrasen wie „unfassbar“, „unglaublich“, „scheiße“, „Dreckspack“ oder „Den schlag ich zusammen!!“ versehen, damit die eigene Meinung ja nicht ausbleibt. Im Bus konnte sich Jakub das Trauerspiel folglich aussuchen: Sowohl sein Smartphone, als auch seine unmittelbare Umgebung lieferten ihm den Beweis dafür, dass ein Großteil der Menschen orientierungs- und hemmungsloser geworden ist, und das noch auf eine unerträgliche Art und Weise.

In der Schule würde er heute halbwegs selbstbeherrschte und bewusster lebende Leute treffen (zumindest einige), wenngleich ihn dieser vergleichsweise milde Gedankengang bezüglich seiner Mitschüler selbst überraschte. Jakub hatte nur wenige richtig gute Freunde, und die hat er erst im Spätherbst seiner Schullaufbahn kennengelernt. Viel zu spät also. Nach der Schule würden seine Bekanntschaften wieder im Sand verlaufen und die Suche nach neuen müsste beginnen. Wie mühsam. Vorerst genoss er seinen aktuellen Bekanntenkreis, doch auch das konnte äußerst frustrierend sein. Denn er mochte ein Mädchen, eigentlich fand er drei oder vier andere auch ganz gut, sogar sehr gut, doch das eine gefiel ihm getrennt von den anderen. Andererseits hasste er sie und beschimpfte sie in den 1000 ausgedachten Szenarien in seinem Kopf. Ihm war heiß und kalt zugleich, wie abends und morgens in seinem Zimmer. Mal redeten sie viel miteinander, sie lachte Jakub an, er lächelte sie an, sie verstanden sich prächtig. Doch an anderen Tagen schien sie an ihm vorbeizuschweben und würdigte ihn keines Blickes, lachte mit anderen. Ihn machte das traurig und sauer, obwohl er genau wusste, dass er ihr damit Unrecht tat. Er war gespannt, wie es heute sein würde. Wohlgefühl oder totale Verbitterung.

Eines stand fest: Mit seinem besten Freund würde er heute etwas essen gehen. Und dann gute Musik austauschen. Jetzt war Jakub an der Schule angekommen. Seine Jeans war nass, nachdem er aus dem Bus ausgestiegen war, denn der Bürgersteig hatte sich in eine gigantische Pfütze aus Schlamm und Resteis verwandelt. Noch 20 Minuten bis Unterrichtsbeginn. Jakub stellte sich an das Volleyballfeld auf dem Schulhof, weit weg von seinen Mitschülern. Um weiter nachdenken zu können. Denn in 20 Minuten hatte er Physik. Oder so.

Na? Humorphob?

Na? Humorphob?

Nein, humorphil. Und jetzt lass gut sein. Habe gerade sowieso zu tun. Für einen löblichen Text reicht es heute trotzdem.

Ingmar Stadelmann, Kabarettist/Komiker und Radiomoderator, war am 2. Freitagabend im Dezember in der Kaue in Gelsenkirchen zu Gast. Überschaubarer Rahmen für einen Mann, der bereits alle möglichen Comedy- und Kabarettpreise eingeheimst hat. Doch gerade hier und unter den Leuten, um die 100, im Raum schien er sich wohl zu fühlen, schließlich war gefühlt von 18 bis 958857637 Jahren alles dabei.

Das „Gefühlte“, auf TV-schlau auch als „postfaktisch“ bekannt (die Autokorrektur hat es mir unterstrichen, obwohl es das Wort des Jahres geworden ist. Manno.), war ein Thema des Abends. Was mit den Wetterberichten im Fernsehen und Radio begann, wo man uns neben der gemessenen auch eine gefühlte Temperatur verkündet (wer auch immer das fühlt), setzt sich nahtlos in der Politik und in den Ängsten der Menschen fort: Die AfD und Co gibt uns vor, dass wir von Horden von Flüchtlingen überrant und geplündert werden, was viele ohnehin besorgte Bürger im Osten der Bundesrepublik anhand von Facebook und anderen ertragreichen Nachrichtenquellen dankend annehmen. Laut Stadelmann, selbst aufgewachsen in Salzwedel in Sachsen-Anhalt, wo man ohne weiteres nicht zufällig auf der Autobahn vorbeikommt (bzw. überhaupt nicht), wüssten die meisten Ossis gar nicht, was Rassismus überhaupt sei. Alte DDR-Denkmuster eben…alle sind Mörder…und Volksverräter…außer die Russen…und Sputniknews…

Daraus zog Pro7-Allzweckwaffe Stadelmann eine wichtige Lehre. Eine wohltuend ernste Stelle des Abends, an dem sonst durchgehend herzhaft gelacht wurde: Heutzutage kramt man zunehmend nur in einer Schublade und öffnet nur ein einziges Fenster im Kopf. Während man sich früher noch im regen Austausch mit Menschen aus Fleisch und Blut befand, die eventuell andere Zeitungen als man selbst gelesen haben, separiert man sich heutzutage zunehmend selbst und spannt das eigene Netz im Kopf nur bis zu der Grenze, wo Facebook aufhört. Aus dem Zustand soll man heraus, sich mal den Fakten annehmen und nicht wohlwollend in einer paranoiden Haltung verharren.

Auf Umgang mit Ängsten, am Programmtitel „humorphob“ unschwer zu erkennen, wurde ebenfalls eingegangen. Wir seien angsterfüllt im Angesicht der weltweiten Bedrohungen, der Rest der Welt auch und die Franzosen sowieso. Nichts wird getan, nur beschwert und gejammert („Wie konnte DAS DENN nur passieren???“) und weil unseren Regierungen nichts Effektiveres einfällt, werden lustig hysterisch Bomben auf Terroristen geworfen. Noch gefährlicher werden Alltagssituationen zudem dadurch, dass wir falsch mit Humor umgehen. Satire kriegt aufs Maul und politische Statements der Chefdemagogen Höcke und Petry werden weggelächelt. Und nach den Wahlen kommt konsequenterweise die Frage: „Wie konnte DAS DENN nur passieren?“…Tja…

Gewürzt wurde der Abend mit herrlichen Anekdoten. Wie unsere Hauptstadt Berlin von dem vorhin genannten kollektiven Wahnsinn einfach mal gar nichts mitbekommt und nach wie vor die kompromisslosesten Busfahrer des Planeten besitzt. Wie Deutschland die Ost-West Grenze bis heute in den Saunen des Landes bewahrt und auf der Autobahn seinen ganz eigenen „Linke-Spur“ Fetischismus besitzt. Es ist ein Abend der Extremen, an dem Ingmar bewusst herausfordernd kein Blatt vor den Mund nimmt. Er lässt aber auch das Publikum die zweite Hälfte des Programmes mitgestalten, woraus sich eine explosiv witzige Mischung entwickelt, da die Zuschauer ähnlich herausfordernd wie Ingmar agieren.

Ein erfrischend humoristischer Abend, der zum Nachdenken angeregt hat und so manche Klischees über Bord wirft. Stadelmann versteht es exzellent, die Grenzen zwischen Comedy und Kabarett verschmelzen zu lassen. Ein durchweg gelungener Abend!

 

USA! USA! USA..?

USA! USA! USA..?

Die Timelines aller existierenden und sogar ausgedachten sozialen Netzwerke rauf und runter purzelnd, Zeitungen füllend, die Seelen spaltend: Die US-Wahl 2016. Und die Auswahl selbst? Überschaubar (habe gerade nicht den Bedarf die Spitzenkandidaten autobiographisch oder sonst wie zu beschreiben, nach dem ganzen Medienhickhack wisst ihr doch sowieso schon von Clinton, Trump und den Zutaten, mit denen sich diese ihre Politik zusammenbrauen). Erwähnenswert (Achtung! Starker Geruch von Konjunktiv!) wären vielleicht noch die übrigen vier chancenlosen „Nebenkandidaten“ gewesen, die den „großen Zwei“ Stimmen stibitzen und ihnen gepflegt in die Suppe (vornehmlich in die geschmack- und inhaltlosere) der beiden spucken könnten. Zu etwas anderem dienen sie anscheinend auch nicht, zumal solche Kandidaten neben Republikanern und Demokraten in der Medienlandschaft traditionell nicht weiter gestreift werden und der Liberale Gary Johnson bis vor Kurzem nicht einmal Aleppo kannte.

Okay, der Chefdemagoge der Republikaner hält Belgien für eine Stadt.

Ihr fragt euch: „Wieso ist er dann nicht auch ein Randkandidat?“

Und viel wichtiger: Wie kann man einem Szenario, dass bisher nur bei den Simpsons zustande gekommen ist, die Chance geben sich bewahrheiten zu können?

Für Fragen ist es jetzt zu spät, und überhaupt: In Amerika ist alles möglich! Woher also die Verwunderung? Dieses ganze Kasperletheater wird außerhalb der USA doch nur zu dem Zweck betrieben, um die eigene politische Realität auszublenden und mit dem Finger auf ein Land zeigen zu können, das eine promovierte Expertin für elektrische Post und einen gepflegt rassistischen Geldsack an die Spitze des Staates katapultieren kann. „Bei uns ist alles besser! Guck mal wie doof die sind, hihihihihi….“…

Und das von einem Kontinent kommend, deren rechte Parteien wieder kräftig Rückenwind bekommen. Natürlich, die zukünftige Politik einer Weltmacht ist essentiell für das globale Wohlbefinden, in erster Linie müssen wir uns jedoch darum kümmern die europäischen Schreihälse wie die AfD, Front National, PVV etc. einzudämmen. Eine Politikerin, deren Großvater Hitlers Finanzminister war (-Hust-Frau von Storch-hust-), ist schließlich auch nicht die beste Lösung.

Was ich nur kurz und knusprig sagen möchte: Kümmern wir uns vorerst um das Braune an unseren Schuhen (dazu haben wir ja nach der US-Wahl genug medialen Freiraum).

Und auch ihr, fellow citizens of the United States of America! Gebt bitte eure Stimme nicht dem laut brüllenden Mann, der Antidemokrat und Minderheitenhasser ist. So etwas hatten wir schon in Hülle und Fülle und wollen es auch nicht wieder haben. Nirgendwo.

Ach ja, zwei mögliche Zustände für den nächsten Morgen(Dramatisch:“The day after“):

  1. Im Internet wird (in jedem Fall) der Weltuntergang vorgezogen. Aber nur kurz.
  2. Obama klärt auf, dass alles nur ein schlecht gedrehter Film gewesen sei und er für vier weitere Jahre regiert. War vorher so geplant. (Empfehlung des Autors)

 

MontAgsnotiz

In letzter Zeit ist mir stechend ins Auge gefallen, dass sich Vokalgedichte in der Poetry-Slam Szene starker Popularität erfreuen.

Was es mit diesen auf sich hat? Naja, Vokalgedichte sind Textformen, die ausschließlich von einem Vokal und sonst von beliebigen Konsonanten zusammengehalten werden (Beispiel: „Ottos Mops hopst“//exemplarische Vokalgedichte bekommt ihr unten verlinkt).

Den Willen irgendetwas mit Gedichten zu tun haben ließ ich im Verlauf des heutigen Tages zerstückelt in der Schule liegen, also bekommt ihr kein Vokalgedicht.

HALT! WAGT ES NICHT DEN TAB ZU SCHLIEßEN! DA KOMMT NOCH WAS!

Mir ist jedoch aufgefallen, dass sich so manche Vokale in einem Wort oder einer Abkürzung erschreckende Dominanz erarbeiten. Das „A“ zum Beispiel! Als ob das „A“ als Anfangsbuchstabe des Alphabetes nicht schon genügen würde, so nimmt es den anderen Vokalen noch die Plätze in den Worten weg! DANKE MERKEL!!!!!

Okay, klare Ansage jetzt (Schon wieder drei „A’s“): Dieser Buchstabe hat einen Hang zur Verbreitung von Angst (<- seht ihr? schon wieder!) und Schrecken. Hier die besten Beispiele:

Montag, Mathematik, AfD!

 

 

Die Vokalgedichte (von Sebastian 23):