Vierer-V

Vierer-V

Verheizt, verkommen, verdreckt, verraucht. Der Beton um dich herum – und dein Kopf auch.

Das Grüne, man hat dir das Gefühl dazu geraubt. „Photosynthese, Schutz vor Emission“ hat man dir zugeraunt. Doch du möchtest denken: „Dekoration!“ Ja! Sauerstoff haben wir doch genug! Jetzt ein Baum, das wäre toll! Um die Spuren der menschlichen Existenz zu verdecken, wenn du in einer bröckelnden zubetonierten Gasse stehst und von der Hitze gegrillt wirst. Die Pappfiguren namens „Mitmenschen“ haben um dich herum bereits resigniert, die Natur ist für sie nur noch Teil einer fragilen kugelförmigen Gestalt, die wiederum ein unbedeutender Teil einer unendlich undurchschaubaren  Gestalt ist. Kurz: Sie spüren sich nicht mehr. Doch du, JA DU, möchtest nicht vor Verzweiflung zerbrechen, sondern stechen, fühlen, Akzente setzen, innere Barrieren brechen! Du hast keinen Stolz, schon lange nicht mehr, und klaust deswegen Holz, bebastelst es, malst es an und schau an: Ein kleiner Wald! Ein sogenannter Mitmensch bemängelt: „Schänder, Schmierfink!“ und du so: „It gives me DAT FEELING!“ Und du bist wieder fresh und frohlockend, glücklich und vor Freude überkochend. Doch es hält nicht ewig. Und dann bist du wieder…

Verheizt, verkommen, verdreckt, verraucht. Der Beton um dich herum- und dein Kopf auch.

Was tun? Einfach ausspannen, an nichts denken, mal Zeit und Zwang verschenken. Gehe weit weit weg, wo dich niemand hält und du niemals fällst. Denn du brauchst soetwas nicht – du bist jetzt nämlich Anarchist! Du willst niemandem einen Gefallen tun, mal nur dir selbst – und dabei entdeckst du das Grauen wieder.

Du läufst. Dein Kopf brüllt: „ICH LAUFE!“ Du bewegst dich nicht mehr.

Du musizierst. Dein Kopf brüllt: „ICH MUSIZIERE!“ Du hörst nichts mehr.

Du liest. Dein Kopf brüllt: „ICH LESE!“ Du kriegst nichts mehr mit.

Und damit bist du zur Erkenntnis gelangt: „Ich bin nicht entspannt“. Du kannst es halt nicht. Du lässt den Stress wieder auftauchen, denn du kannst nicht woanders hin abtauchen, weglaufen, denn es ist nicht dein Naturell und du könntest innerlich am Liebsten…ersaufen. Und du bist wieder…

Verheizt, verkommen, verdreckt, verraucht. Der Beton um dich herum – und dein Kopf auch.

Du bist wieder zurück im Geschäft, du bist wieder back in the game! Mit Hoffnung auf Besserung! Mit neuen Trieben zum inneren Frieden! Mit neuer Lust, ran an die Nuss! Doch schnell erkennst du wieder das Grauen der Welt: Immer musst du analysieren! Was herrscht? Keine Motivation zur Innovation! Keine Motivation zur Emotion! Pure Stagnation! Ok, eine Angelegenheit genauer zu betrachten ist ab und zu gar nicht so verkehrt. Aber vermehrt? Wie weit gelangt man da? Freiheit wird sonst achso gepriesen! Und dadurch gerade verwiesen…Menschliche Gefühlswelten sind nur noch Statisten, und die Vernunft wurde schon vorher des Feldes verwiesen. Und nicht nur das: viele analytische Prozesse sind nur käfte- und geduldsraubend. Denn sein wir doch ehrlich: Wollte Büchner denn um jeden Preis, dass sein Schaffen von der Nachwelt zerstückelt wird? Jedes Individuum würde beim Lesen schon alleine eine Deutung finden – selbstständig! Doch diesen freien Willen hat man bei dir schon längst gebändigt! Genauso müßig ist es danach zu fragen, weshalb ein Maler in einem Bild ausgerechnet Grün verwendet hat. Naja, er hatte eben kein Violett mehr, ne?😉

Nun denn, you’re still…

Verheizt, verkommen, verdreckt, verraucht. Der Beton um dich herum – und dein Kopf auch.

Ich spüre das bei dir, aber ich will das nicht! Nun höre meinen Rat, edler Knappe! Finde dein inneres Reich der Mitte! Das ruhende Zentrum zwischen extrem und lau, zwischen vernünftig und blau, zwischen Zwängen und Rumhängen, zwischen Schleifen und Schleifen lassen. Wenn du nur auf deinen Kopf hörst, läufst du mit ihm gegen die Wand. Wenn du nur auf dein Bauchgefühl hörst, dann…naja, auch. Schaffst du es das hölzerne Pendel in deinem Schädel in ein unschädliches Gleichgewicht zu bringen, ohne, dass es zersplittert, so küre ich dich zum großen Meister und du bist geheilt!

Jetzt bist du…

Abgekühlt, erneuert, gewaschen, refresht! Auch der Beton! “

„Wie? Echt?“

„Ja, echt!“

Gallia’s on fire

Gallia’s on fire

Würde man in der Zeit nochmal ca. zwei Monate zurückgehen und hätte man den Fußballanhängern freie Hand bei der Gestaltung des Fußballturniers gelassen, so wäre obiger Spruch sicherlich in den engeren Favoritenkreis für ein Turniermotto gerückt (ausschließlich im künstlerischen, atmosphärischen und sportlichen Sinne zu verstehn, nicht im kriegshistorischen).

Was bleibt also von der diesjährigen Europameisterschaft, mal die überzähligen freien Plätze im Stickeralbum und dem Fahnengewimmel an den Fenstern ausgenommen, denn alles im Kopfe übrig? Der Reihe nach: Gleich im Eröffnungsspiel schien bereits die halbe Internetbevölkerung zu semiprofessionellen Namensforschern aufgestiegen zu sein, als man über ZDF-Kommentator Bela Rethy herzog, dass man Frankreichs Standardmonster Dimitri Payet doch gar nicht „Pajet“, sondern „Pajeee“ aussprechen würde. Ein überlegter Blick ins World-Wide-Web verriet jedoch, dass Payet gar nicht auf französischem Festland geboren wurde, sondern in einem französischen Übersee-Department, wo Rethys Option der Aussprache gängig ist. Führungstreffer für Rethy! Des weiteren machten englische Hooligans sämtliche Gastgeberstädte zu Schlachtfeldern. Nichts neues also. Mehr Hoffnung versprühte die englische Nationalmannschaft vor dem Turnier, wobei sie noch Gegner wie Frankreich, Deutschland oder Portugal schlug. Als es jedoch ans Eingemachte ging, sahen die Three Lions ihren Job in Frankreich nach dem Sieg gegen Nachbar Wales schon getan und verabschiedeten sich kläglich im Achtelfinale. Wales (nicht Bales! hört auf damit!) machte es bekanntlich besser und schied erst im Halbfinale aus, obwohl sie doch so sehr (leidenschaftlicher als ihre großen Nachbarn) darum baten nicht nach Hause geschickt zu werden („Don’t take me home! Please don’t take me home! I just don’t wanna go to work! Let me stay here, drink all your beer! Please don’t, Please don’t take me home!!“).

Wo wir schon bei den Fans sind: die Nordiren begeisterten mit ihrem „Will Grigg’s on fire“ (die Engländer machten nach ihrem Aus und dem Rücktritt ihres Trainers übrigens daraus „Hodgson got fired“), ein Song über einen Spieler ihres Kaders, der keine Sekunde während der EM auf dem Platz stand, was von der unerweichlichen und wohltuenden Feierlaune der Nordiren zeugte. Ähnlich balsamierten die Iren die Seelen der Fußballfans, Einheimischen und sozialen Netzwerkern: Sei es das Singen von Schlafliedern für ein Baby, das Reparieren von Autos, die Reinigung der Straßen von Bierflaschen oder die Huldigung der französischen Polizei. Die „Boys in Green“ fanden zu jeder Zeit ein Mittel, um von europäischen Sympathiepunkten überschüttet zu werden. Davon können auch die Isländer nach dem Turnier ein Lied singen. Neben den überdurschnittlich lauten „Afram Island“ und „Huh“-Rufen zeigten auch ca. ein Viertel aller isländischen Profifussballer in den Arenen couragierte Leistungen, welche u.a. Europameister Portugal an den Rand einer Niederlage brachten und die Engländer ausknockten (die „Ich-hänge-an-jedes-einzelne-Wort-die-Endung-SON“ – Witze waren übrigens nach dem ersten isländischen Spiel schon übersschüssig abgenutzt und alt). Funfacts: 1. Das Siegtor gegen England erzielte übrigens „Sigthorsson“; 2. Torhüter Halldorsson war vorher erfolgreicher Filmregisseur; 3. Island hatte zwei gleichberechtigte Trainer; 4. Der Eine, Heimir Hallgrimsson, ist eigentlich Zahnarzt. Falls also jemand Fußballkommentator wird und in naher Zukunft ein Island-Spiel kommentieren muss: Zöger nicht und verbrate genau diese Fakten wohlverteilt im gesamten Spielverlauf!

Auch sportlich und gefühlsmäßig hätte diese Europameisterschaft nicht kurioser laufen können: England, Geheimfavorit Kroatien und Titelverteidiger Spanien strichen im Achtelfinale die Segel, Deutschland bezwingt Angstgegner Italien im Viertelfinale und Frankreich ihren Angstgegner Deutschland im Halbfinale. Und wer wird schlussendlich Europameister? Portugal! In ihrer Gruppe auf Platz hinter Ungarn und Island gelandet und Glück gehabt, dass die punktgleichen Türken und (leider mit zu viel Pech bestückten) Albaner schlechte Torverhältnisse vorweisen mussten. Nur gegen Wales schossen sie innerhalb der regulären 90 Minuten mindestens einen Treffer und besiegten paradoxerweise Frankreich größtenteils ohne Cristiano Ronaldo, welcher am Ende von der Ehrfurcht der eigenen Mannschaft beinahe erdrückt wurde. Klar hielt er das Team gegen die Magyaren mit Bravour im Turnier und motivierte im Finale in bester Coachingmanier, aber waren es nicht etwa auch Torhüter Rui Patricio, Kampfschwein Pepe oder Taktikfuchs Fernando Santos, die Portugal langfristig am Leben hielten? Just saying, aber Ronaldos (berechtigte) Tränen von der Verletzung hatten wohl eine übermenschliche und magische Wirkung auf alle Umstehenden…Schmerzlich war auch der Abgang Italiens aus dem Wettbewerb, einhergehend mit den Tränen Buffons und Barzaglis, wegen derer man sich als subjektiver Betrachter des Geschehens sogar leicht für den Sieg der deutschen Mannschaft schämen konnte.

Und sonst? Größen wie Ibrahimovic, Cech und del Bosque traten von ihren Tätigkeiten bei ihren jeweiligen Nationalmannschaften zurück, der „echte“ Neuner als Sturmoption erhielt wieder den Respekt den er ursprünglich verdiente (das „Falsche Neun“ Geschwafel soll endlich ein Ende haben! Nochmal ein Aufruf an alle angehenden Kommentatoren: Benutzt diese Phrase nicht!), Bayern München kann sich auf Renato Sanches freuen, Griezmann wird mit Abstand Torschützenkönig, Belgien bewies eindrucksvoll, dass man ohne ein Teamgebilde nicht weit kommt, England schaffte es innerhalb einer Woche  Europa zweimal den Rücken zuzukehren und in der Schweiz ist doch nicht alles so (reiß) fest und sicher wie es scheint.

Und ach ja: demnächst ist wieder Bundesliag!

HUH!

 

 

Keep thinking

Keep thinking

„Überdosis Nachdenken gefällig?“

„Nehme ich!“…..Zu Risiken und Nebenwirkungen…ach ist doch egal!

Aber doch, es stimmt. Zu angestrengtes und überdosiertes Nachdenken führt zu kuriosen Situationen, die man entweder anschließend gerne aus dem Langzeitgedächtnis löschen möchte und doch nicht kann, oder man fühlt sich nachher wie bei einem Lottogewinn: man ist stolz wie Grobi und freut sich wie eine Laus im Haar eines Lockenkopfes, doch so richtig erklären kann man die Angelegenheit nicht und man bleibt völlig zerstreut zurück. Man weiß nicht mehr was man machen soll, obwohl die Neuronen im Gehirn gerade zu Höchstleistung auflaufen. Doch die Gedanken rennen wiederholt gegen einen inneren Maschendrahtzaun, verhaken sich und nur selten kommt ein Gedanke nach außen, um fruchtbar aufzugehen. Doch meistens sind es die falschen.

Werden wir konkreter: Informationen, die man für den business as usual nicht braucht, setzen sich von außen wie Parasiten fest und hindern das für einen selbst Relevante, um dabei eigenen Nutzen daraus zu ziehen. Tatort gymnasiale Oberstufe: bei den meisten dringen entweder nur noch die falschen Erleuchtungen oder gar keine mehr ans Licht. So kommt es, dass so manches Individuum den Zeitplan seines zu erfüllenden Bildungsauftrages vergisst. Schlimmer: obwohl in schriftlicher Form vorliegend, wird trotzdem nicht nachgeschaut. Man ist müßig geworden und setzt auf andere. Andere, die den Stundenplan ihrer Mitschüler unnötigerweise kennen. Man kommt also in die Schule und kann es in den Nervenzentren der Mitstudenten rattern hören. Die Begrüßung wird bei einem automatisch (gewollt und ungewollt zugleich) zur Hilfestellung und klingt ungefähr so: „Hey ho! Du hast jetzt Philo beim Kant, kann das sein? Mit dem da sagst du? Aber nicht doch, der hat doch jetzt Mathe! Beim Leibniz! Dass es dir auf der Zunge lag wusste ich sofort, haha! Mit der da hast du auch nicht Philo, du hast Deutsch mit ihr, aber sie hat jetzt Physik bei Weber! Was ich habe? Freistunde! ;-)…..“ Jedes Mal das selbe Prozedere.  Ähnlich bei Hausaufgaben: das Hausaufgabenheft finde ich immer noch total in! Hilft sehr, finden auch die Mitschüler, jedoch bevorzugen sie es genau ein Hausaufgabenheft in der gesamten Stufe zu benutzen, und zwar das hypermitdenkenden Person. So kann man auch durchkommen. Zum Nachteil des Denkmonsters. Wenn man als solches dann aber die Hausarbeiten eines einem eigentlich fremden Kurses kennt, dann ist man offiziell nicht ganz richtig oben. Genauso wie wenn man sich Körpergröße und -gewicht eines Fussballers merkt, die Seitenzahl der Harry Potter Romane und die Länge der Harry Potter Filme, sowie auch die Anzahl der Enten, die durchschnittlich wochentags am Stadtsee herumwatscheln. Wenn man bereits dieses Stadium erreicht hat, fängt man an Gesprächsfetzen anderer abzuspeichern, einen Stein hektisch zu beobachten und unbedarfte Tintenflecke auf Papier zu interpretieren. Dann grübelt man.

Man regt sich über sich selbst auf, über Menschen die sich über andere sich aufregende Menschen aufregen und dann bleibt für die Ein-Gen-ein-Enzym Theorie des Biolehrers kein Platz mehr. Das darf nicht sein! Man möchte die belanglosen Sachen nicht mehr in sich hineinkehren, möchte sie ausdrücken, ad acta legen und Raum schaffen (deshalb schreibe ich so gerne), jedoch besteht dann die Gefahr, dass der eigene Expressionismus in der Umwelt scheitert und krachend in die Luft geht. Und dann kommt die eigene Erleuchtung, der personal Messias erscheint und gibt einem zu Denken: anders ist auch scheiße! Man wehrt sich energisch dagegen und denkt: „Möchte ich doch sorgen- und gedankenfrei sein!“

Doch was passiert, wenn man aufhört nachzudenken und einfach schleifen lässt? Was sind die Risiken und Nebenwirkungen? Man wird kurzzeitig glücklich und müßig, doch inneres Relaxen und Resignation bringt einen nicht weit. Selbst ein Fussballer, denen man vorurteilshaft mangelndes Denkvermögen zuschreibt, sagte: „Wer aufhört zu lernen, hört auf zu leben.“ Der Kopf muss zu Lebzeiten so gut wie möglich arbeiten, sonst lernt man die großartigen Facetten des wertvollen Lebens niemals kennen. Auch die unnötigen nicht, von denen manche sehr amüsant sein können. Wer nicht nachdenkt, erkennt weder Gefahren noch positive Wirkungen vorzeitig, man bleibt limitiert. Nachdenken hilft den Mitmenschen und, wenn man es lange genug macht und die Zeit der belohnenden Auszahlung kommt, auch einem selbst. Die Aufgabe des Strebens und Denkens ist Teufelswerk, wie uns Goethe in „Faust“ vermittelte. Faust geriet auf dunkle Abwege und kriegte erst reichlich spät die Kurve, weil er von seinem intellektuellen Weg abkam.

Zu großes Nachdenken und ab und zu frustriert zu sein ist vorteilhafter, langfristig produktiver und zielführender, als dass man das Gehirn ins Exil schickt und die Kommandozentrale seiner Entscheidungen bzw. Gefühle dem Bauch übergibt.                          P.S.: Wer den Mittelweg zwischen Bauch und Kopf findet, ist für mich Held und Universalgenie. Er solle sich bitte bei mir im busvollen Gedankenbunker melden!

Danke!

 

Ich bin krass

Ich bin krass

Ich bin krass, nun ja, weil ich die Meinung meinerseits in die Welt katapultiere und die Meinung deinerseits abserviere. Sie nicht höre und nicht hören möchte. Die Interesse an meinem Umfeld? Nicht anwesend. Meine Mitmenschen? Nicht anregend? Ich bin krass.

Ich bin krass, weil ich in Dortmund voller Selbstbewusstsein mit meiner S04-Geldbörse um die Häuser ziehe und in Dorstfeld sogleich den Kürzeren ziehe.                                               Ich bin krass, weil ich mich im Hochsommer auf Schalke mit einem BVB-Schal wärme und die eigens definierte Wärme der Ur-Schalker in meinen Bann ziehe.                                             Aber eigentlich bin ich krass, weil ich in Deutschland Fussball verschmähe, mit Doppel-S schreibe, auf einem Berg von Fussballfachzeitschriften sitze und trotz meiner Abneigung Fanartikel besitze.

Ich bin krass, ich schlafe am Tag, Red Bull macht mich wach weil Kaffee mir zu ungesund ist.                                                                                                                                                                           Ich bin krass, Cola wird bei 200 Grad erhitzt, bis die Feuerwehr bei mir auf der Fensterbank sitzt und ihre Helme durchschwitzt.                                                                                                           Ich bin krass, ich esse Butter am Stück, Pizza gekühlt, Käse verpackt und Joghurt zerhackt. Die MSC-Plakette auf Fischstäbchen aus Kabeljau (oder Seelachs? Weiß ich nicht genau!) ist für mich Dekoration und Hamburger bei Macces eine Geschmacksexplosion.                       Bei Burger King postiere ich mich, sammel die Kronen, baue mir meinen Burger-King-Thron, trotze dem Hohn und lass den Namen der Feinschmeckerkette Wirklichkeit werden: ich werde der erste Burger-Monarch auf Erden!

Ich bin krass, ich revolutioniere den Business!                                                                                       Ich drehe Rap-Videos, obgleich ich nicht rappen kann.                                                                       Ich drehe in Duisburg, weil mir Düsseldorf zu trübe ist.                                                                       Ich reime sein auf sein, führe die Punchlines ein und reime ist auf ist.                                         Ich bin krass, publiziere meine eigenen Charts und jage Dubstep vom Hof, Musik wird mir zu viel, ich werde Philosoph.

Ich bin krass, ich merke, als Philosoph reißt dir die Gesellschaft die Beine mit ganzer Wucht weg. Ich tue nichts dagegen.                                                                                                             Mir öffnen sich alle Möglichkeiten, bin hochbegabt. Scharfsinnig genug für einen Lotsen, menschenfreundlich genug für einen Arzt, kräftig genug für einen Soldat. Dennoch. Ich bleibe bei mir selbst. Kein Ertrag? Abgehakt! Kein Geld? Egal, raus in die Welt!

Ich bin krass, komme weit herum.                                                                                                               Von der Erde bis zum Mond und wieder zurück? Mit der Rakete? Nö, ich bin gut zu Fuß!         Von Spanien nach Marokko? Mit dem Schiff? Nö, ich schwimme, sind doch nur 197.000 Fuß!                                                                                                                                                                         Durchlaufe Westeuropa barfuß, um die Idee vom freien Europa und von freien Grenzen endlich zu verstehen, nehme nebenbei die Schweiz eigenmächtig in die EU auf und löse den Terror in Luft auf.                                                                                                                                       Ich bin so krass, dass ich die Kriege und Konflikte beende, alle Wogen glätte, Obama und Putin mit meinen Ideen plätte….und die Welt vertraut mir, als ob ich die volle Kontrolle hätte.                                                                                                                                                                     Ich bin krass, nutze meinen Einfluss, trage ein Kapuzineräffchen an die Spitze der Macht, schaffe Golf und Geld ab und gebe die Arenen der Welt als Schauplatz dem Poetry Slam ab! Ich schreibe ein eigenes Wörterbuch, in dem „Hass“, „Krieg“ und „Spinat“ nicht vorkommen. Ich stelle die Benutzung der Wörter „Lügenpresse“, „Volk“ und „Perfektionismus“ unter Strafe und lass die Leute bei Reklamation zu mir kommen.

Ich bin krass, mir wird alles zu viel.

Ich bin krass, bin auf dem selben Level wie Heinrich Faust, habe die Welt nicht verstanden.

Ich bin krass, ich wache auf.

Ich bin krass. Ich schreibe diesen Text, weil alles mal raus musste und ich alles andere als krass bin, meine Unernsthaftigkeit hiermit schriftlich zu einem Teil ausdünste.

Man soll nicht alles glauben, was man liest oder hört, nicht alles ernst nehmen und hinterfragen. Das gilt auch für diesen Text.

Jetzt denken sich alle: „Moralapostel zum Schluss? Waaaas?“

Tja, wie gesagt, ich bin halt krass.

Let op! De Duitsen!

Let op! De Duitsen!

„Käseköpfe!“, „Flachländer!“,  „Ohne Holland fahren wir zur EM!“. Immer wieder wird unser kleines im Nordosten angrenzendes Nachbarland von einem großen Teil der Bevölkerung auf’s Neue verhöhnt. Sehr lange schon. Und diese unrühmliche Art von Tradition scheint sich immer weiter unter der deutschen Bevölkerung fortzupflanzen. Klar, es ist äußerst stillos einen wesentlich kleineren 16-Millionen-Seelen Landesnachbarn unaufhörlich imaginär gegen die Wand zu fahren, jedoch ist das nicht der springende Punkt.

Vielen Deutschen dürfte aufgefallen sein, dass sich Niederländer mit gastierenden deutschen Staatsbürgern fast ausschließlich in der Sprache des Gastes unterhalten und ihm versuchen Auskunft zu geben. Dass man auf Englisch ausweicht hat großen Seltenheitswert. Noch seltener ist es der Fall, dass ein Deutscher sich mal bemüht ein paar Takte auf Niederländisch zu blubbern. Sie strengen sich nicht unnötig an und lassen die Nachbarn ihre zusätzlich erworbenen Sprachkenntnisse zur Entfaltung kommen. Dabei könnte man ja beinahe auf den Gedanken kommen, dass es bei Holländern (political correctness for the win: Niederländern!) eventuell sauer aufstoßen könnte, wenn man ihnen auf westfälischen Weihnachtsmärkten im umgangssprachlichen Deutsch versucht einen Pfannenkuchen anzudrehen, obwohl man als deutscher Verkäufer längst erkannt hat, dass der Käufer jenseits der Grenze stammt. Ein Entgegenkommen oder sich nebenbei als vielseitig präsentieren? Nichts für die weit verbreitete deutsche Bequemlichkeit!

Während Deutsch als Fremdsprache an niederländischen Bildungseinrichtungen lange schon zum Standardprogramm gehört, wird Niederländisch deutschen Schulen nur sporadisch angeboten, wenn dann überhaupt an Universitäten oder Hochschulen. Zumindest im an die Niederlande angrenzenden Nordrhein-Westfalen wäre ein größeres Angebot niederländischen Fremdsprachkursen durchaus wünschenswert! Neben Urlaub bzw. Tourismus stellen das Studium und viele Arbeitsplätze wichtige Bezugspunkte zwischen den beiden EU-Gründerstaaten dar. Zumindest die Personen, die sich täglich mit den Niederlanden in irgendeiner Form befassen müssen, sind der dortigen Landessprache mächtig und können darüber hinaus dadurch noch weitere und bessere Möglichkeiten dieses kleinen, aber facettenreichen Landes voll auskosten. Einem Großteil der Holländer (pardon!) ist etwas Ähnliches auch in Deutschland möglich, viele Deutsche kämpfen jedoch noch mit ihrer anscheinend vorprogrammierten Verständinslosigkeit gegenüber allem niederländisch klingenden und versuchen die deutsche Sprache zum Non-plus-ultra im Ausland zu etablieren. Vor dem Englischen. Ein niederländischer Arzt wird wahrscheinlich nicht hilfsbereiter werden, wenn ein deutscher Rentner ihm wiederholt einzubläuen versucht, dass er aufgrund seiner harten Matratze im Hotelzimmer „Rücken hat“.

Eine erschreckend rückläufige Entwicklung in der Beziehung mit unserem königlichen Nachbarn. Schon früher mochten die Niederländer die „Germans“ nicht. Invasion im zweiten Weltkrieg und die ganzen wohlbekannten unangenehmen Angelegenheiten. Politischer Frieden bedeutete nicht gleich ein friedliches Volk. Selbstverständlich konnte man ihnen in den Jahren nach dem Krieg keine romantischen Gefühle gegenüber den Deutschen abverlangen, haben diese doch vorher ihr neutrales und friedliches Land brutal entweiht. So ähnelten Duelle der beiden Nationen im Fußball regelrechten Kleinkriegen. Dies mündete in wüsten Beschimpfungen und der Entfremdung des Trikots des deutschen Nationalspielers Olaf Thon durch den niederländischen Verteidiger Ronald Koeman bei der EM 1988, wobei Koeman sich mit dem Kleidungsstück sein Hinterteil schrubbte. Man sieht also: die Niederländer haben ihrem schier übergroßen Nachbarn die tiefste Abneigung und Rachegefühle entgegengebracht. Eine ganze Zeit lang. Allmählich milderte sich dies und man begegnete den Deutschen, so weit wie möglich, offen und freundlich.

Wäre es nicht mal an der Zeit, dass sich ein viel größerer Teil unserer deutschen Bevölkerung aufrafft und mehr tut als bloß Fischbrötchen an der Nordsee (schmeckt übrigens hervorragend!) zu essen und Coffee-Shops zu belagern? In der Mehrheit sind wir zwar schon ganz nett zu unseren Nachbarn und sind froh von ihnen mit Palmen umwandelt zu werden, doch Dankbarkeit zu zeigen heißt mehr als paar Euros dazulassen und nett zu lächeln. Helft ihnen auch bei uns im deutschen Lande, ladet sie ein, sprecht ein paar Takte Niederländisch, beschäftigt euch mit der Kultur! Dies wäre nur ein Anfang. Nicht sofort dahoam fühlen und Deutsch plappern! In den Niederlanden ist zur Annäherung die englische Sprache die beste und moralisch sauberste Option. Bieten sie euch Deutsch als Umgangssprache an,  schätzt euch glücklich und schneidet euch eine Scheibe dieser Umgangsweise ab!

Wie gesagt: die meisten von uns machen sich vor den Niederländern schon ganz gut, aber zum freundlichen Nehmen gehört auch ein ebenso gutes Geben.

Echt niet verkeerd!

 

 

Vendredi noir

Vendredi noir

Der vergangene Freitag, der 13. November, begann wie üblich unspektakulär. Man geht zur Schule, besucht Vorlesungen an Universitäten und geht seiner alltäglichen Arbeit nach. Natürlich bleibt es nicht aus, dass dieser Tag wiederholt und großräumig verhöhnt wird: „Oh Gott! Nehmt euch in Acht! Es ist ein Freitag, ein Freitag der 13!“. So hört man es mehrmals am Tag und denkt sich nichts weiter dabei. Ein Volksaberglaube, der besagt, dass an einem solchen Freitag besonders viele Unglücke vonstatten gehen können. Was ist da schon dran? Es werden jedoch zu gerade passenden Zeitpunkten vermeintliche Schreckensszenarios an die Wand gemalt, die diesem Tag wie angegossen erscheinen. Beispiel Schule: Elternsprechtage, von Schülern wie Exekutionen gefürchtet werden, oder die ganzschulische Einübung eines Notfalls, z.B. eines Feueralarms. So verpasste und verpasst das gewöhnliche Menschenvolk, insbesondere junge Leute, dem Unglücksfreitag eine verstärkende Symbolik. Man lacht darüber. Man scherzt darüber. Man geht guten Gewissens nach Hause.

Abends freut man sich in Frankreich und Deutschland auf das Freundschaftsspiel der Fußballnationalmannschaften beider Länder, welches im Stade de France in Saint-Denis, einem Vorort der Hauptstadt Paris, um 21 Uhr MEZ angepfiffen wird. Eine Neuauflage des WM-Viertelfinales 2014 in Brasilien. Sehr attraktiv. Am Vormittag erreicht die DFB-Auswahl in ihrem Pariser Hotel jedoch eine Bombendrohung. Eine nicht lange währende Unruhe. Das Hotel wird für wenige Stunden evakuiert, die Bombendrohung kurze Zeit später als falsch abgestempelt und die Gäste dürfen wieder das Hotel betreten. Leichte Nervosität, die spätestens   beim Singen der jeweiligen Nationalhymnen und der Einstimmung auf das Fußballspiel am Abend schnell verfliegt. Darauf folgend der Anstoß einer interessanten Partie. Die 20. Minute läuft: das Spiel plätschert vor sich hin, auf einmal ein lauter Knall. Als Fußballfan denkt sofort daran, dass sich wieder irgendwelche Idioten einen Spaß daraus gemacht haben Böller im Stadion zu zünden. Doch die Kameras zeigen keinen Rauch. Die Zuschauer schauen sich verwundert um. Dann die 22. Minute: ein ähnlicher, etwas stärkerer Knall. Wieder kein Rauch. Keine Spur von harmlosen Böllern auf der Tribüne oder von Pyrotechnik. Die Menschen drehen sich mittlerweile verängstigt nach allen Seiten um, doch es wird nichts auffälliges entdeckt. Kurz vor Ende der Halbzeit rätselt der ebenfalls nervöse deutsche Kommentator, wie er die lauten Geräusche zuordnen soll. Beim Gedanken an die Bombendrohung am Mittag werde einem ganz mulmig, teilt er mit und vermutet, dass die hörbaren Explosionen vor dem Stadion stattgefunden haben können. Halbzeit. Durchatmen.

Nach 15 Minuten geht es wieder auf den grünen Rasen. Auffällig: die politischen Gäste des Spiels, u.a Frankreichs Staatspräsident Hollande und der deutsche Außenminister Steinmeier sitzen nicht mehr auf ihren Plätzen. Der Kommentator hat seine Nerven immer weniger im Griff. Dann beginnt das unvorstellbare Grauen, es sickern Informationen durch: drei Explosionen vor dem Nationalstadion und eine Schießerei in einem Pariser Restaurant, es gäbe Opfer. 2 Tote. 4 Tote. 18 Tote. 34 Tote. Es wird immer unerträglicher. Es heißt, es gäbe eine Geiselnahme mit 60 bis 100 Geiseln in einem Pariser Konzertsaal. Ein Fußballspiel zu begleiten und gleichzeitig von mehreren Anschlägen zu berichten führt zur Überstrapazierung der Nerven, man ist mit der Situation überfordert. Das Publikum im Stade de France weiß noch wenig. Das Spiel geht zu Ende und der Stadionsprecher gibt die vorerst bekannten Schreckensmeldungen durch, die Menschen wollen schnell das Stadion verlassen. Aus Sicherheitsgründen werden die Tore jedoch geschlossen und die Leute werden daraufhin zurückgeschickt. Eine Massenpanik bricht aus. Zahlreiche Menschen stürmen zurück in den Innenbereich, viele fallen oder brechen zusammen. Es sind Szenen, die einem den    Atem rauben. Es ist zum Heulen, was auch durch das ebenfalls überforderte Moderatorenduo deutlich wird, das kaum mehr Worte findet und nur noch raus möchte. Raus aus dem Stadion. Raus aus Paris.

Auf den anderen Fernsehkanälen wird das Ausmaß der sich andeutenden Katastrophe nach und nach transparenter, die Fakten werden offiziell: an sieben verschiedenen Orten in Paris gibt es Anschläge, wie man kurz darauf weiß von zur Terrormiliz IS gehörenden radikalen Islamisten. Die besagte Konzerthalle wird von der Polizei gestürmt. Bilanz: ca. 100 Tote. Es wird von regelrechten Hinrichtungen gesprochen. Die bis heute bekannte Anzahl der Opfer im gesamten Pariser Raum: 132 Tote, über 350 Verletzte. Es sind Ereignisse, die die Weltgemeinschaft schwerwiegend ins Mark treffen. Politiker und Bürger über den Globus verteilt solidarisieren sich auf verschiedenste Art und Weise mit Frankreich, nationale Symbole und Gebäude erleuchten in blau, weiß und rot, den französischen Nationalfarben. Und schon wieder erschleicht viele das Gefühl der nackten Angst, Erinnerungen an die Anschläge auf das Satiremagazin Charlie Hebdo sowie auf einen jüdischen Supermarkt in Paris werden wach. Schon wieder Paris.

Und natürlich gibt es Leute, die darauf hinweisen, dass es in letzter Zeit auch Anschläge im Libanon, in der Türkei oder eine Attacke auf ein russisches Passagierflugzeug gab. Warum mache man jetzt so einen Aufstand auf den Straßen und in den sozialen Netzwerken aufgrund des Terrors in Paris, wenn vorher sich doch niemand um Vergleichbares gekümmert hat? Doch! Man hat sich gesorgt, man hat getrauert, doch der Zugriff und das Verhalten der Medien und der Weltbevölkerung haben sich bei den jüngsten Anschlägen in Frankreich beidseitig radikalisiert, was sich durchaus erklären lässt: Man kennt Paris als eine Stadt, die die Werte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit geradezu verkörpert. Die Stadt der Liebe und des Friedens. So ist sie weltweit bekannt und beliebt, man wähnt sich an einem sicheren Ort, wenn man dort ist. Doch dass das universelle Symbol der Liebe wieder vom Hass gefressen, dass die Werte einer vermeintlich heilen Welt mit Füßen getreten und die Geborgenheit von Angst und Terror überwältigt werden, mag man in der Welt überhaupt nicht wahrhaben. Man ist konsterniert, geschockt, wortlos. Schon bei anderen terroristischen Attacken (ich wiederhole: nicht nur in Paris!) wuchs das Gefühl der Furcht stetig. Seien es Afghanistan, die Ukraine, Pakistan, Israel, Irak, Syrien, Nigeria und unzählbare weitere Länder. Bei jeder Schreckensmeldung stellte sich mindestens der Großteil unserer Weltgemeinschaft die Frage: „Warum? In welcher Art von Welt lebe ich hier?“ Die Anschläge in der französischen Hauptstadt bilden jedoch aufgrund der genannten besonderen Umstände einen Höhepunkt der bisher angesammelten menschlichen Ängste. Und niemand sollte wegen seiner Ängste und seiner Reaktionen auf diese, so unterschiedlich sie von Terroranschlag zu Terroranschlag auch seien, verurteilt werden. Medienkritik ist verständlich, doch nicht das Herumhacken auf den Gefühlen Trauernder und Beängstigter.

So bekam der Freitag der 13. in dieser Woche ein pechschwarzes, hässliches Gewand, das sich nun so schnell nicht wieder lösen lässt. Für wie unwahrscheinlich hat man es gehalten, dass sich die Symbolik dieses Tages auf diese Weise erfüllt? Unwahrscheinlich wie ein Aberglaube eben ist…

Ich beende den Text nicht mit einem der vielen Hashtags, denn heutzutage werden solche Gesten falsch interpretiert und verurteilt. Es kommt zu verbalem Krieg. Und das ist doch etwas, was gegenwärtig keiner von uns will.

Als Orange und Orangensaft beste Freunde waren…

„Im Gemüse sind schon meistens Hühner und Schweine, üble Scheiße!“…So beschreibt das Essener Hip-Hop-Trio „257ers“ auf eine übertriebene (oder auch sehr wahre?) Art und Weise den großen Knackpunkt: unsere Lebensmittel wandern in unseren Mund und treffen unsere Geschmacksnerven nicht mehr als das, was sie mal ursprünglich waren. Das Beispiel der fleischigen Produkte ist mittlerweile das verbreitetste: wer glaubt denn eigentlich noch, dass in sämtlichen Burgern der allseits bekannten Fast-Food-Ketten 100 prozentiges Rindfleisch steckt? Wenn man den Konsumenten jetzt genau das Gegenteil erzählt, werden sich die meisten dieser nicht mehr wundern, wohingegen sich andere noch an ihrem Traum des blitzsauberen Hamburgers von McIrgendwas festklammern und verzweifelt in einer Ecke herumrollen. Aber dies wollen die Menschen: schnelles und billiges Essen, das dazu durch lustig zusammen gemischte Chemikalien und Geschmacksverstärker nicht extrem katastrophal schmeckt. Was heißt das also? Ein Hoch auf die „richtigen“ Burgerläden! Man stelle sich vor man läuft durch die niederländische Metropole und Hauptstadt Amsterdam, hat sich gerade ein paar Sehenswürdigkeiten gegönnt und lechzt, von den Graswolken komplett benebelt, nach einer Pause und kommt schließlich in so einen besagten Laden, wo die Frikadellen für einen Burger aus ECHTEM FLEISCH (öffentlich!) auf einem riesigen Grill gebraten werden! Danach ist man nicht nur satt, sondern schwört sich hoch und heilig, nie wieder eines der bekannten Schnellrestaurants aufzusuchen. Denn das Fleisch hat tatsächlich nach Fleisch geschmeckt (ob man es glaubt oder nicht)!

So auch (leider) bei anderen Produkten. Der Industrieorangensaft, den man morgens mit gutem und gesunden Gewissen runterspült, bekam mal (vielleicht!) ein Sechstel einer Orange zu fassen! Da kommt es schon mal vor, dass man morgens in einem älteren Pariser Bistro sitzt, am frisch gepressten Orangensaft nippt und verwundert feststellt: Hm…der Orangensaft schmeckt ja nach Orange…; Oder Marmelade! Den industriellen Fruchtaufstrich (nehmen wir Erdbeermarmelade) schmiert man sich hin und wieder gewissenhaft als „gesunde Alternative“ zu Nutella auf das Brötchen…gesund? Wenn die Marmelade jemals echte Erdbeeren gesehen haben sollte, dann waren das stark magersüchtige Erdbeeren! Dann isst man plötzlich traditionell gemachte Marmelade und erkennt: Aha! Dieser Aufstrich hatte mal was mit sehr vielen Früchten zu tun gehabt!

Im Endeffekt ist das mit 90 Prozent unserer Lebensmittel so: eine Tomate wird gespritzt, damit sie kleiner und handlicher wird, wobei sie jedoch zum Großteil ihren Geschmack verliert und später viele beim „Austesten“ einer unberührten Tomate (nicht überraschend) sagen: „Die schmeckt mir viel zu intensiv..“. Genauso ist es auch bei Gurken, Äpfeln, Melonen…ach, wie ich schon sagte: Bei fast allem! Das Gute landet in der Tonne, weil zu teuer, und das billig hergestellte wird in großer Menge und schnell an der Mann gebracht! Der ganze Spaß ist nicht nur für unseren Corpus auf Dauer schädlich, sondern spielt unserem Geschmackssinn einen bösen, manipulativen Streich!

Unseren Kindern das zu erklären…die nächste große Herausforderung wartet schon auf uns! „Schau mal, der Orangensaft in deinem schönen Glas! Der war vor langer langer Zeit mit ganz vielen saftigen Orangen befreundet. Dann passierte es…“