Deutsche Fans wollen viel – zu viel…

Im Fankreis der deutschen Nationalmannschaft war es zuletzt (fast) immer so, dass die Fans in allen Situationen zu hohe Erwartungen hatten und immer ein Sündenbock gesucht wurde.
Fangen wir mal an: Wir schreiben den 17. Oktober 2007, Allianz-Arena, München, Deutschland tritt im drittletzten EM-Quali Spiel gegen Tschechien an. Die Löw-Elf ist schon lange für die Euro in der Schweiz und Österreich qualifiziert. Nach 64 Minuten steht es schon 0:3 gegen die Adlerjungs. Bei diesem Ergebnis bleibt es auch und die Tschechen haben sich ebenfalls qualifiziert. Und was gibt es während des Spiels? Pfiffe der deutschen Fans GEGEN ihre eigene Mannschaft, obwohl sie schon das Ticket für die EM sicher haben. Na, wenn das mal keine Motivation der absoluten Extraklasse ist…
14. Oktober 2009, Hamburg, HSH-Nordbank-Arena, letztes WM-Quali Spiel gegen Finnland, die Deutschen sicher qualifiziert. Nach 11. Minuten gehen die Finnen in Führung. Insgesamt legt Deutschland den Schongang ein nach dem schwer erkämpften 1:0 in Moskau gegen die Sowjets. Haben die Jungs ja auch verdient, eine Niederlage würde jeden normalen Fußballfan so viel interessieren wie einen Chinesen, wenn in China ein Sack Reis umfällt. Der Schiri pfeift zur Pause und…Pfiffe der Fans. In der 90. Minute kann Poldi die „Fans“ noch zufriedenstellen durch sein 1:1.
26. März 2011, Kaiserslautern, Fritz-Walter-Stadion (Betzenberg), Deutschland spielt am 5. Spieltag der EM-Quali gegen Kasachstan, klare Sache, die Deutschen sind Favorit. Sie bestätigen das: zur Pause steht es 3:0. In der zweiten Hälfte schalten die Löwjungs einen Gang runter. Bis zur 88. Minute fällt kein weiteres Tor mehr. In der Zeit dazwischen? Pfiffe…bei einem Stand von 3:0 gegen einen Gegner, der sich in der Weltrangliste zwischen Ländern wie Turkmenistan oder Tahiti befindet…
Tage nach dem verlorenen EM-Halbfinale in Warschau gegen Italien: Mario Balotelli hatte die Squadra Azzura mit zwei Toren ins Finale gegen Spanien gebracht. Danach wurde ein Sündenbock gesucht. WOFÜR EIGENTLICH? Dafür, dass Deutschland nicht Europameister geworden ist? Lieber gegen Italien im Halbfinale rausfliegen, als sich von Spanien im Finale frittieren zu lassen. Aber wieso hatten die deutschen Fans so eine Aufbruchsstimmung? Weil im November 2011 das Vorbereitunsspiel gegen den Nachbar aus den Niederlanden mit 3:0 gewonnen wurde. Toll oder? Nö, eben nicht! Es ist kein Kunststück gegen eine formlose Reservemannschaft aus Holland zu gewinnen! Ein Remis oder eine Niederlage hätte vermutlich das Rumgeheule um das Rausfliegen in Grenzen gehalten.
Und hier noch der jüngste Vorfall: 26. März, Nürnberg, Grundig-Stadion, WM-Quali Spiel, wieder eines gegen die Kasachen. Deutschland führt 3:0 zur Pause. Nach 15 Minuten kommen die Spieler wieder auf das Feld und keine Minute später zappelt der Ball im deutschen Netz. Was ist passiert? Manuel Neuer kriegt den Ball vor die Füße, versucht den Ball klug nach vorne zu schlagen, wird aber von einem kasachischen Spieler gestört, sodass der Keeper den Ball aus Notwehr nach vorne schlägt. Dieser gerät vor die Füße des deutsch-Kasachen Heinrich Schmidtgal und der schiebt den Ball ins leere Tor. Nicht weiter schlimm bei einem Spielstand von 3:1. Aber danach wird Neuer bei jedem seiner Ballkontakte ausgepfiffen und mit Ironie und Häme begleitet. Nach dem Spiel zeigen die Spieler Lahm und Gündogan kein Verständnis für die Pfiffe und Trainer Jogi Löw erst recht nicht. Zurecht!
Beispiele über Beispiele. Langsam sollten sich die „Fans“ wirklich mal fragen, wofür sie eigentlich ins Stadion kommen: Um Fussball zu schauen oder um bezahlten Fußballern die Motivation zu nehmen. Mein Fazit: jeder darf zwar seine Meinung zeigen, aber nicht dann, wenn es unpassend ist. Dann will man wirklich bei so einem Verhalten irgendetwas in Richtung Fernseher werfen…

Guardiola zu Bayern – wirklich ein Coup?

Pep Guardiola trainiert zur Saison 2013/14 den FC Bayern München. Wahrscheinlich eine der spektakulärsten Fußballmeldungen in den vergangenen Jahren. Guardiola: zum Welttrainer gekürt in den Jahren 2009 und 2011, in vier Jahren bei Barcelona die Mannschaft zur besten der Welt gemacht und 14 Titel geholt, ist dort eine Legende. Er lehnte Angebote von den mit Geld lockenden Vereinen Chelsea, Manchester City und Paris St. Germain ab und jetzt wird der Katalane ab nächster Saison in bayrischen Metropole zu Hause sein. Bekannterweise ließ er bei Barca das berühmte und gefürchtete Tiki-Taka Kurzpassspiel praktizieren. Beim Tiki-Taka läßt man den Ball so lange im eigenen Team hin und her passen, bis der Gegner nervös wird und anfängt unkonzentriert und unkontrolliert dem Ball hinterher zu laufen. Der Gegner wird gewissermaßen zermürbt. Am Ende sind es die genialen Köpfe Xavi, Iniesta oder Messi, die den Platz zur Vollendung des Tiki-Takas nutzen und so die Fans in Extase versetzen. Dieser Fußball ist einfach magisch.
Aber passt diese Art von Fussball wirklich zum FC Bayern München? Ein Ego-Robben oder ein lauffauler Mario Gomez passen so gar nicht in Guardiolas System. Eher passen würden der Messiähnliche Shaqiri, der arbeitsfreudige Mario Mandzukic oder Guardiolas Landsmann Javi Martinez.
Meistens ist es oder war es so, dass die Spieler, die diesen Zauberfussball beherrschen, aus der La Masia, der Fußballschule Barcas kommen. Sie bekommen dort mit ungefähr 13 Jahren das Barca-Gen eingeimpft und mit 25 Jahren begeistern sie die Fußballwelt. Kein Wunder also, dass Spieler wie Ibrahimovic, Villa oder Hleb sich nie so richtig in Barcelona zurecht gefunden haben.
Deswegen bleibt es abzuwarten, wie der FC Bayern München mit Guardiola kann. Ob die Bayern wirklich das zweite Barcelona werden? Schauen wa ma…