Als Orange und Orangensaft beste Freunde waren…

„Im Gemüse sind schon meistens Hühner und Schweine, üble Scheiße!“…So beschreibt das Essener Hip-Hop-Trio „257ers“ auf eine übertriebene (oder auch sehr wahre?) Art und Weise den großen Knackpunkt: unsere Lebensmittel wandern in unseren Mund und treffen unsere Geschmacksnerven nicht mehr als das, was sie mal ursprünglich waren. Das Beispiel der fleischigen Produkte ist mittlerweile das verbreitetste: wer glaubt denn eigentlich noch, dass in sämtlichen Burgern der allseits bekannten Fast-Food-Ketten 100 prozentiges Rindfleisch steckt? Wenn man den Konsumenten jetzt genau das Gegenteil erzählt, werden sich die meisten dieser nicht mehr wundern, wohingegen sich andere noch an ihrem Traum des blitzsauberen Hamburgers von McIrgendwas festklammern und verzweifelt in einer Ecke herumrollen. Aber dies wollen die Menschen: schnelles und billiges Essen, das dazu durch lustig zusammen gemischte Chemikalien und Geschmacksverstärker nicht extrem katastrophal schmeckt. Was heißt das also? Ein Hoch auf die „richtigen“ Burgerläden! Man stelle sich vor man läuft durch die niederländische Metropole und Hauptstadt Amsterdam, hat sich gerade ein paar Sehenswürdigkeiten gegönnt und lechzt, von den Graswolken komplett benebelt, nach einer Pause und kommt schließlich in so einen besagten Laden, wo die Frikadellen für einen Burger aus ECHTEM FLEISCH (öffentlich!) auf einem riesigen Grill gebraten werden! Danach ist man nicht nur satt, sondern schwört sich hoch und heilig, nie wieder eines der bekannten Schnellrestaurants aufzusuchen. Denn das Fleisch hat tatsächlich nach Fleisch geschmeckt (ob man es glaubt oder nicht)!

So auch (leider) bei anderen Produkten. Der Industrieorangensaft, den man morgens mit gutem und gesunden Gewissen runterspült, bekam mal (vielleicht!) ein Sechstel einer Orange zu fassen! Da kommt es schon mal vor, dass man morgens in einem älteren Pariser Bistro sitzt, am frisch gepressten Orangensaft nippt und verwundert feststellt: Hm…der Orangensaft schmeckt ja nach Orange…; Oder Marmelade! Den industriellen Fruchtaufstrich (nehmen wir Erdbeermarmelade) schmiert man sich hin und wieder gewissenhaft als „gesunde Alternative“ zu Nutella auf das Brötchen…gesund? Wenn die Marmelade jemals echte Erdbeeren gesehen haben sollte, dann waren das stark magersüchtige Erdbeeren! Dann isst man plötzlich traditionell gemachte Marmelade und erkennt: Aha! Dieser Aufstrich hatte mal was mit sehr vielen Früchten zu tun gehabt!

Im Endeffekt ist das mit 90 Prozent unserer Lebensmittel so: eine Tomate wird gespritzt, damit sie kleiner und handlicher wird, wobei sie jedoch zum Großteil ihren Geschmack verliert und später viele beim „Austesten“ einer unberührten Tomate (nicht überraschend) sagen: „Die schmeckt mir viel zu intensiv..“. Genauso ist es auch bei Gurken, Äpfeln, Melonen…ach, wie ich schon sagte: Bei fast allem! Das Gute landet in der Tonne, weil zu teuer, und das billig hergestellte wird in großer Menge und schnell an der Mann gebracht! Der ganze Spaß ist nicht nur für unseren Corpus auf Dauer schädlich, sondern spielt unserem Geschmackssinn einen bösen, manipulativen Streich!

Unseren Kindern das zu erklären…die nächste große Herausforderung wartet schon auf uns! „Schau mal, der Orangensaft in deinem schönen Glas! Der war vor langer langer Zeit mit ganz vielen saftigen Orangen befreundet. Dann passierte es…“