Let op! De Duitsen!

Let op! De Duitsen!

„Käseköpfe!“, „Flachländer!“,  „Ohne Holland fahren wir zur EM!“. Immer wieder wird unser kleines im Nordosten angrenzendes Nachbarland von einem großen Teil der Bevölkerung auf’s Neue verhöhnt. Sehr lange schon. Und diese unrühmliche Art von Tradition scheint sich immer weiter unter der deutschen Bevölkerung fortzupflanzen. Klar, es ist äußerst stillos einen wesentlich kleineren 16-Millionen-Seelen Landesnachbarn unaufhörlich imaginär gegen die Wand zu fahren, jedoch ist das nicht der springende Punkt.

Vielen Deutschen dürfte aufgefallen sein, dass sich Niederländer mit gastierenden deutschen Staatsbürgern fast ausschließlich in der Sprache des Gastes unterhalten und ihm versuchen Auskunft zu geben. Dass man auf Englisch ausweicht hat großen Seltenheitswert. Noch seltener ist es der Fall, dass ein Deutscher sich mal bemüht ein paar Takte auf Niederländisch zu blubbern. Sie strengen sich nicht unnötig an und lassen die Nachbarn ihre zusätzlich erworbenen Sprachkenntnisse zur Entfaltung kommen. Dabei könnte man ja beinahe auf den Gedanken kommen, dass es bei Holländern (political correctness for the win: Niederländern!) eventuell sauer aufstoßen könnte, wenn man ihnen auf westfälischen Weihnachtsmärkten im umgangssprachlichen Deutsch versucht einen Pfannenkuchen anzudrehen, obwohl man als deutscher Verkäufer längst erkannt hat, dass der Käufer jenseits der Grenze stammt. Ein Entgegenkommen oder sich nebenbei als vielseitig präsentieren? Nichts für die weit verbreitete deutsche Bequemlichkeit!

Während Deutsch als Fremdsprache an niederländischen Bildungseinrichtungen lange schon zum Standardprogramm gehört, wird Niederländisch deutschen Schulen nur sporadisch angeboten, wenn dann überhaupt an Universitäten oder Hochschulen. Zumindest im an die Niederlande angrenzenden Nordrhein-Westfalen wäre ein größeres Angebot niederländischen Fremdsprachkursen durchaus wünschenswert! Neben Urlaub bzw. Tourismus stellen das Studium und viele Arbeitsplätze wichtige Bezugspunkte zwischen den beiden EU-Gründerstaaten dar. Zumindest die Personen, die sich täglich mit den Niederlanden in irgendeiner Form befassen müssen, sind der dortigen Landessprache mächtig und können darüber hinaus dadurch noch weitere und bessere Möglichkeiten dieses kleinen, aber facettenreichen Landes voll auskosten. Einem Großteil der Holländer (pardon!) ist etwas Ähnliches auch in Deutschland möglich, viele Deutsche kämpfen jedoch noch mit ihrer anscheinend vorprogrammierten Verständinslosigkeit gegenüber allem niederländisch klingenden und versuchen die deutsche Sprache zum Non-plus-ultra im Ausland zu etablieren. Vor dem Englischen. Ein niederländischer Arzt wird wahrscheinlich nicht hilfsbereiter werden, wenn ein deutscher Rentner ihm wiederholt einzubläuen versucht, dass er aufgrund seiner harten Matratze im Hotelzimmer „Rücken hat“.

Eine erschreckend rückläufige Entwicklung in der Beziehung mit unserem königlichen Nachbarn. Schon früher mochten die Niederländer die „Germans“ nicht. Invasion im zweiten Weltkrieg und die ganzen wohlbekannten unangenehmen Angelegenheiten. Politischer Frieden bedeutete nicht gleich ein friedliches Volk. Selbstverständlich konnte man ihnen in den Jahren nach dem Krieg keine romantischen Gefühle gegenüber den Deutschen abverlangen, haben diese doch vorher ihr neutrales und friedliches Land brutal entweiht. So ähnelten Duelle der beiden Nationen im Fußball regelrechten Kleinkriegen. Dies mündete in wüsten Beschimpfungen und der Entfremdung des Trikots des deutschen Nationalspielers Olaf Thon durch den niederländischen Verteidiger Ronald Koeman bei der EM 1988, wobei Koeman sich mit dem Kleidungsstück sein Hinterteil schrubbte. Man sieht also: die Niederländer haben ihrem schier übergroßen Nachbarn die tiefste Abneigung und Rachegefühle entgegengebracht. Eine ganze Zeit lang. Allmählich milderte sich dies und man begegnete den Deutschen, so weit wie möglich, offen und freundlich.

Wäre es nicht mal an der Zeit, dass sich ein viel größerer Teil unserer deutschen Bevölkerung aufrafft und mehr tut als bloß Fischbrötchen an der Nordsee (schmeckt übrigens hervorragend!) zu essen und Coffee-Shops zu belagern? In der Mehrheit sind wir zwar schon ganz nett zu unseren Nachbarn und sind froh von ihnen mit Palmen umwandelt zu werden, doch Dankbarkeit zu zeigen heißt mehr als paar Euros dazulassen und nett zu lächeln. Helft ihnen auch bei uns im deutschen Lande, ladet sie ein, sprecht ein paar Takte Niederländisch, beschäftigt euch mit der Kultur! Dies wäre nur ein Anfang. Nicht sofort dahoam fühlen und Deutsch plappern! In den Niederlanden ist zur Annäherung die englische Sprache die beste und moralisch sauberste Option. Bieten sie euch Deutsch als Umgangssprache an,  schätzt euch glücklich und schneidet euch eine Scheibe dieser Umgangsweise ab!

Wie gesagt: die meisten von uns machen sich vor den Niederländern schon ganz gut, aber zum freundlichen Nehmen gehört auch ein ebenso gutes Geben.

Echt niet verkeerd!