Keep thinking

Keep thinking

„Überdosis Nachdenken gefällig?“

„Nehme ich!“…..Zu Risiken und Nebenwirkungen…ach ist doch egal!

Aber doch, es stimmt. Zu angestrengtes und überdosiertes Nachdenken führt zu kuriosen Situationen, die man entweder anschließend gerne aus dem Langzeitgedächtnis löschen möchte und doch nicht kann, oder man fühlt sich nachher wie bei einem Lottogewinn: man ist stolz wie Grobi und freut sich wie eine Laus im Haar eines Lockenkopfes, doch so richtig erklären kann man die Angelegenheit nicht und man bleibt völlig zerstreut zurück. Man weiß nicht mehr was man machen soll, obwohl die Neuronen im Gehirn gerade zu Höchstleistung auflaufen. Doch die Gedanken rennen wiederholt gegen einen inneren Maschendrahtzaun, verhaken sich und nur selten kommt ein Gedanke nach außen, um fruchtbar aufzugehen. Doch meistens sind es die falschen.

Werden wir konkreter: Informationen, die man für den business as usual nicht braucht, setzen sich von außen wie Parasiten fest und hindern das für einen selbst Relevante, um dabei eigenen Nutzen daraus zu ziehen. Tatort gymnasiale Oberstufe: bei den meisten dringen entweder nur noch die falschen Erleuchtungen oder gar keine mehr ans Licht. So kommt es, dass so manches Individuum den Zeitplan seines zu erfüllenden Bildungsauftrages vergisst. Schlimmer: obwohl in schriftlicher Form vorliegend, wird trotzdem nicht nachgeschaut. Man ist müßig geworden und setzt auf andere. Andere, die den Stundenplan ihrer Mitschüler unnötigerweise kennen. Man kommt also in die Schule und kann es in den Nervenzentren der Mitstudenten rattern hören. Die Begrüßung wird bei einem automatisch (gewollt und ungewollt zugleich) zur Hilfestellung und klingt ungefähr so: „Hey ho! Du hast jetzt Philo beim Kant, kann das sein? Mit dem da sagst du? Aber nicht doch, der hat doch jetzt Mathe! Beim Leibniz! Dass es dir auf der Zunge lag wusste ich sofort, haha! Mit der da hast du auch nicht Philo, du hast Deutsch mit ihr, aber sie hat jetzt Physik bei Weber! Was ich habe? Freistunde! ;-)…..“ Jedes Mal das selbe Prozedere.  Ähnlich bei Hausaufgaben: das Hausaufgabenheft finde ich immer noch total in! Hilft sehr, finden auch die Mitschüler, jedoch bevorzugen sie es genau ein Hausaufgabenheft in der gesamten Stufe zu benutzen, und zwar das hypermitdenkenden Person. So kann man auch durchkommen. Zum Nachteil des Denkmonsters. Wenn man als solches dann aber die Hausarbeiten eines einem eigentlich fremden Kurses kennt, dann ist man offiziell nicht ganz richtig oben. Genauso wie wenn man sich Körpergröße und -gewicht eines Fussballers merkt, die Seitenzahl der Harry Potter Romane und die Länge der Harry Potter Filme, sowie auch die Anzahl der Enten, die durchschnittlich wochentags am Stadtsee herumwatscheln. Wenn man bereits dieses Stadium erreicht hat, fängt man an Gesprächsfetzen anderer abzuspeichern, einen Stein hektisch zu beobachten und unbedarfte Tintenflecke auf Papier zu interpretieren. Dann grübelt man.

Man regt sich über sich selbst auf, über Menschen die sich über andere sich aufregende Menschen aufregen und dann bleibt für die Ein-Gen-ein-Enzym Theorie des Biolehrers kein Platz mehr. Das darf nicht sein! Man möchte die belanglosen Sachen nicht mehr in sich hineinkehren, möchte sie ausdrücken, ad acta legen und Raum schaffen (deshalb schreibe ich so gerne), jedoch besteht dann die Gefahr, dass der eigene Expressionismus in der Umwelt scheitert und krachend in die Luft geht. Und dann kommt die eigene Erleuchtung, der personal Messias erscheint und gibt einem zu Denken: anders ist auch scheiße! Man wehrt sich energisch dagegen und denkt: „Möchte ich doch sorgen- und gedankenfrei sein!“

Doch was passiert, wenn man aufhört nachzudenken und einfach schleifen lässt? Was sind die Risiken und Nebenwirkungen? Man wird kurzzeitig glücklich und müßig, doch inneres Relaxen und Resignation bringt einen nicht weit. Selbst ein Fussballer, denen man vorurteilshaft mangelndes Denkvermögen zuschreibt, sagte: „Wer aufhört zu lernen, hört auf zu leben.“ Der Kopf muss zu Lebzeiten so gut wie möglich arbeiten, sonst lernt man die großartigen Facetten des wertvollen Lebens niemals kennen. Auch die unnötigen nicht, von denen manche sehr amüsant sein können. Wer nicht nachdenkt, erkennt weder Gefahren noch positive Wirkungen vorzeitig, man bleibt limitiert. Nachdenken hilft den Mitmenschen und, wenn man es lange genug macht und die Zeit der belohnenden Auszahlung kommt, auch einem selbst. Die Aufgabe des Strebens und Denkens ist Teufelswerk, wie uns Goethe in „Faust“ vermittelte. Faust geriet auf dunkle Abwege und kriegte erst reichlich spät die Kurve, weil er von seinem intellektuellen Weg abkam.

Zu großes Nachdenken und ab und zu frustriert zu sein ist vorteilhafter, langfristig produktiver und zielführender, als dass man das Gehirn ins Exil schickt und die Kommandozentrale seiner Entscheidungen bzw. Gefühle dem Bauch übergibt.                          P.S.: Wer den Mittelweg zwischen Bauch und Kopf findet, ist für mich Held und Universalgenie. Er solle sich bitte bei mir im busvollen Gedankenbunker melden!

Danke!