Hurra, am Sonntag ist es wieder soweit: Die Deutschen werden zur Wahl des 19. Bundestages aufgefordert! Gewählt werden dann die Abgeordneten und Parteien, denen wir am ehesten zutrauen, dass sie unsere Interessen und Belange mit Wort und Tat würdig die nächsten vier Jahre vertreten werden.

„Die Arbeit im Parlament ist doch aber nur Gerede.“- „Die setzen doch ohnehin nichts durch.“ – „Die wissen doch nicht, wie es mir geht und was ich mache.“ – „Wieso sollte sich jetzt etwas ändern?“

Politik ist, entgegen aller Klischees und Anwürfe, mehr als Reden, Versprechen und mit dem warnenden erhobenen Zeigefinger wedeln. Sie hält den Diskurs in unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft aufrecht und sorgt dafür, dass verschiedenste Themen in geregelten Bahnen besprochen und bearbeitet werden können. Von allen möglichen Seiten und von allen möglichen Menschen. Im Endeffekt werden im Bundestag Entscheidungen getroffen, die nicht jedem schmecken, und dann heißt es: „Habe ich doch gesagt, dass dabei nichts vernünftiges herausspringt. Diese Regierung ist unfähig und die Opposition hat wieder einmal geschlafen. Und dann soll ich mich noch bewegen und wählen gehen?“.

Ja, sollst du. Denn die Parlamentarier und ihre Teams sorgen in langen Redevorbereitungen, Besprechungen, Aufsätzen und öffentlichen Kundgebungen dafür, dass du dich gemütlich über ihre Arbeit aufregen kannst. Sie sind an der Willensbildung der Bevölkerung beteiligt und versuchen eben diesen Willen zu artikulieren. Natürlich wissen sie nicht exakt, ob du deine Pommes rot-weiß isst oder gar keine Pommes magst und du deswegen am liebsten die lästigen Buden mit den Friteusen verbieten lassen würdest. Sie schätzen dafür die allgemeine Stimmung und Verfassung ihrer Wahlkreise so detailgetreu wie möglich ein, bieten Lösungen an und kämpfen dafür, sie durchsetzen zu können. Wie sie dies schlussendlich praktisch umsetzen steht in einem anderen Buch geschrieben.

Der Meinungspluralimus ist der Grundstein dafür, dass unsere Demokratie gut getaktet durch die Gewaltenteilung funktioniert. Jeder kann sachlich seine Auffassungen teilen und sein eigenes Leben führen, ohne dafür belangt zu werden. Unzufriedenheit und Ignoranz, resultierend aus vermeintlichen Fehlentwicklungen in der Gesellschaft, sind diesbezüglich jedoch keine legitimen Gründe, um die Wahlberechtigung verfallen zu lassen oder Parteien zu wählen, die einfachste Lösungen anbieten und im Wahlkampf teilweise ganz tief in die Mottenkiste der Geschichte greifen, um auf Teufel komm raus möglichst viele Stimmen abzufangen. Eben solche Parteien werden durch ein naives Wahlverhalten gestärkt und agieren demokratieunverträglich. Dann hast du dir nicht nur selbst geschadet, sondern auch einem Großteil der Bevölkerung und du kannst nur noch darum betteln, deine meinungsstarke Stimme offiziell abgeben zu können.

Es ist ein Problem bei vielen jungen Menschen (gemeint sind auch die diesjährigen potenziellen Erstwähler), dass Politik nicht mehr als ein Element betrachtet wird, welches unmittelbar ihren Alltag beeinflusst. Die offenen Grenzen in Europa sehen viele nicht als Verdienst der Politik an, sondern als eine stets da gewesene Selbstverständlichkeit. „Und überhaupt, ich habe meine Freunde, ein Handy und meinen Führerschein, ich bin total happy. Meine Probleme? Löse ich schon irgendwie selbst.“. Natürlich ist ein gewisses gesellschaftliches Eigenengagement gefragt, jedoch ist diese Unbedarftheit von einigen jungen Leuten nicht ausschließlich darauf zurückzuführen, dass sie verträumt und egoistisch sind (das sind im übrigen beliebte vorurteilsbehaftete Adjektive für die sog. „Generation Y“) und nur sich und ihre „Selbstverwirklichung“ im Sinn haben. Auch Familienmitglieder und Bildung haben die Verantwortung, ihre Sprösslinge in politische und gesellschaftliche Diskussionen zu involvieren. Und damit meine ich ausdrücklich nicht politische Streitereien bei Familientreffen, die mit zerfetzten Trommelfellen und vielen unglücklichen Menschen enden. Aber im Ernst: Wie sollen beispielsweise Schüler mitreden können, wenn man die Positionen verschiedener Parteien oder grundlegende politische Begriffe niemals erklärt bekommen hat? Zumindest Interesse im Zusammenhang mit historischer Aufklärung sollte in der Schule geweckt werden, die Meinungsbildung jedoch den Schülern selbst überlassen werden…

Ein anderes Makel ist die etwas befremdliche Setzung der Prioritäten in Deutschland, wenn es darum geht, politische Prozesse im Ausland zu bewerten. Selbstverständlich ist Kritik an Figuren wie Trump, Le Pen, Wilders etc. wichtig und richtig, doch wie oft hat man sich öffentlich darüber ergötzt, dass die Anderen die Doofen seien und man selbst damit nichts (mehr) zu tun hat? In diesem Windschatten konnten sich hiesige Parteien wie etwa (Achtung, Harry-Potter-Stil!) „Die-Partei-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf“ ausruhen, um unbehelligt ihre Basis für die Bundestagswahl 2017 aufzubauen. Sich gegenüber anderen als moralischer Lehrmeister der Demokratie aufzuspielen sollte in Deutschland normalerweise nicht unbedingt ein weitverbreitetes Konzept sein…lieber an die eigene Nase fassen.

Mal abgesehen davon, dass der Wahlkampf dieses Jahr seine Spannung irgendwo sicher versteckt hat und auch im Ausland deshalb kaum wahrgenommen wurde: Wählen ist und bleibt eine der obersten Prioritäten eines jeden Bürgers.

Also: Informieren, recherchieren, Reden anschauen, Wahlprogramme auf den Straßen sammeln und lesen, sich mit Menschen austauschen, Möglichkeiten nutzen und am Sonntag zur Wahl gehen! Tut euch selbst und den anderen etwas Gutes, ist nicht so schwierig 😉

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